120
Lukian von Samosata
Kurzbiografie↑
Lukian von Samosata gilt als einer der bedeutendsten Satiriker der griechischen Antike. Er wurde um 120, nach anderen Angaben um 125, in der syrischen Stadt Samosata geboren und verfasste seine Werke in griechischer Sprache. Er stammte aus Syrien und vergaß seine syrische Herkunft nie. Zugleich war er ein griechisch gebildeter Intellektueller und Bürger des Römischen Reiches. Seine Geburtsstadt lag am Oberlauf des Euphrat. Zu seinen Lebzeiten gehörte sie zur römischen Provinz Syria. Ihre Ruinen liegen heute nahe der Stadt Samsat in der Südosttürkei. Lukian schrieb spöttische, satirische Texte. Diese wirkten über Jahrhunderte hinweg in der europäischen Literatur nach.
Biografie↑
Lukian stammte aus einer bescheidenen syrischen Familie. Geboren wurde er um 120 oder um 125 in Samosata. Nach seiner eigenen Darstellung ging er zunächst bei seinem Onkel mütterlicherseits in die Lehre, einem Bildhauer. Diese Ausbildung gab er jedoch kurze Zeit später wieder auf. Stattdessen ließ er sich in Ionien, im Westen Kleinasiens, in griechischer Literatur und Rhetorik unterweisen.
Seinen Lebensunterhalt verdiente er sich danach vermutlich als Gerichtsredner, später dann wohl als freier Schriftsteller. Mehrmals bereiste er die Mittelmeerwelt. Er lebte längere Zeit in Athen, kam nach Rom und ging in Gallien einer Lehrtätigkeit nach. Seine Muttersprache war vermutlich Syrisch, eine Form des Aramäischen. Griechisch lernte er erst in der Schule. Wahrscheinlich verstand er auch Latein. Im höheren Alter übernahm er wohl ein gut bezahltes Amt in der römischen Verwaltung Ägyptens.
Seine Hauptschaffenszeit fiel in die Regierungszeit des römischen Kaisers Mark Aurel, der von 161 bis 180 herrschte. Den Tod dieses Kaisers hat Lukian wohl noch erlebt. Ob er auch noch unter Kaiser Commodus wirkte, ist ungewiss.
Über das Todesjahr und den Sterbeort gibt es widersprüchliche Angaben. Er starb wohl nach 180, nach manchen Angaben vor 192. Auch der Ort ist nicht gesichert. Einigen Angaben zufolge starb er in Alexandria, anderen zufolge in Athen.
Literarische Merkmale↑
Spott und Satire prägen das Werk Lukians. Er setzte sich kritisch und oft ironisch mit den Vorstellungen seiner Zeit auseinander. Charakteristisch ist die scherzhafte Übertreibung, wie sie etwa in seinem Lob auf ein so geringes Geschöpf wie die Fliege zum Ausdruck kommt. In Ikaromenippus oder Die Luftreise verband er solche satirische Verspieltheit mit einer fantastischen Reiseerfindung. Seine Texte boten der Nachwelt reichen Stoff. Seine Texte regten später Gemälde, Theaterstücke und Musik an.
Rezeption↑
Lukian zählt zu jenen antiken Schriftstellern, welche die europäische Kultur nachhaltig beeinflusst haben. Zu seinen großen Verehrern gehörte Erasmus von Rotterdam. Gemeinsam mit Thomas Morus veröffentlichte er 1506 in Paris lateinische Übersetzungen ausgewählter Schriften Lukians. Auch die Satire Das Lob der Torheit des Erasmus zeigt deutlich Lukians Einfluss. 1513 druckte Melchior Lotter in Leipzig eine Auswahl lateinischer Lukian-Dialoge, die der Humanist Veit Werler herausgegeben hatte.
Später ließen sich auch Christoph Martin Wieland und Johann Wolfgang von Goethe von ihm anregen. Wieland übertrug das gesamte Werk Lukians ins Deutsche. Auf Lukian geht auch die Oper Menippus zurück, die der österreichische Komponist Hartmut Schmidt 1980/81 nach einem Text von Werner Thuswaldner schrieb. Das Werk in sechs Szenen wurde 1990 am Salzburger Landestheater uraufgeführt. Auch der Mondkrater Lucian ist nach ihm benannt.
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