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Das Lexikon der klassischen Literatur
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Porträt Luo Guanzhong
Luo Guanzhong
1330 – 1400
– Autorenporträt –

Luo Guanzhong

1330 – 1400

Chinesischer Erzähler des 14. Jahrhunderts, dessen Leben im Dunkeln liegt und dessen Name mit zwei großen Abenteuer-Epen verbunden ist: „Die Geschichte der Drei Reiche“ und „Die Räuber vom Liang-Schan-Moor“.

Kurzbiografie↑

Wenig ist über Luo Guanzhong bekannt, und doch verbindet sich sein Name mit zwei der großen Abenteuer-Epen der chinesischen Literatur. Er lebte am Übergang von der Yuan- zur Ming-Dynastie. Sein eigentlicher Name war Luo Ben, bekannt ist er unter seinem Beinamen Guanzhong. Ihm wird der Roman Die Geschichte der Drei Reiche zugeschrieben. Außerdem soll er Die Räuber vom Liang-Schan-Moor bearbeitet haben, doch das ist umstritten. Beide Bücher erzählen von Krieg, Aufruhr und Männerbünden im alten China und gehören dort bis heute zum festen Bestand des Lesens. Um seine Person selbst ranken sich mehr Fragen als gesicherte Antworten.


Biografie↑

Über das Leben dieses Schriftstellers ist fast nichts bekannt. Geboren wurde er unter dem Namen Luo Ben, vermutlich um 1330. Bereits das Geburtsjahr ist umstritten. Neuere Forschungen setzen die Geburt schon zwischen 1315 und 1318 an, eine andere Annahme sogar um 1280. Ein genaues Datum lässt sich nicht gewinnen.

Ebenso ungewiss ist die Herkunft. Häufig wird Taiyuan als Geburtsort genannt. Andere Literaturhistoriker vermuten Dongping in der heutigen Provinz Shandong, Hangzhou oder die Region Jiangnan. Für Taiyuan spricht nach dem Forscher Meng Fanren ein Stammbaum der Familie Luo. Sein Name steht dort aber nicht, und ob dieser Luo der Romanautor war, ist offen. Nach neuerer Forschung gab es zwei Männer dieses Namens: einen Dramatiker aus Taiyuan und den Romanautor, der wohl aus Dongping stammte.

Einen der wenigen Anhaltspunkte liefert der Dramatiker Jia Zhongming. Er berichtet, er habe Luo Guanzhong im Jahr 1364 getroffen. Danach lebte Luo Guanzhong am Ende der Yuan-Dynastie und in der frühen Ming-Dynastie. Gestorben ist er vermutlich um 1400, der Überlieferung nach in Hangzhou.

Unklar bleibt sogar, wie er sich zu Shi Nai'an verhält. Die Literaturhistoriker sind sich nicht einig, ob Shi Nai'an eine eigene Person war. Möglicherweise benutzte Luo Guanzhong diesen Namen als Decknamen für Die Räuber vom Liang-Schan-Moor. So wollte er vielleicht vermeiden, mit den regierungskritischen Zügen des Buches in Verbindung gebracht zu werden.

Auch die Zuschreibung der Werke ist ein Feld voller Streitfragen. Man vermutet, dass die Erzählungen, aus denen Die Geschichte der Drei Reiche und Die Räuber vom Liang-Schan-Moor hervorgingen, zunächst von mehreren Erzählern unabhängig voneinander entwickelt wurden. Shi Nai'an gilt als der erste, der den Räuberstoff zu einem Gesamtwerk zusammenfügte. Luo Guanzhong soll dem Buch dann seine Form von hundert Kapiteln gegeben haben. Nach anderer Ansicht schrieb er dessen zweite Hälfte. Als Verfasser von Die Geschichte der Drei Reiche gilt gemeinhin er selbst, doch vereinzelt wird auch Shi Nai'an als Herausgeber vermutet.

Weitere Bücher werden ihm zugeschrieben. Sansui Pingyao Zhuan, auch Pingyao Zhuan genannt, ist ein Roman um Geister und Dämonen in zwanzig Kapiteln. Er ging aus Erzählungen über einen Aufstand gegen Ende der nördlichen Song-Dynastie hervor. Später erweiterte Feng Menglong ihn auf vierzig Kapitel. Can Tang Wudai Shi Yanyi berichtet vom Ende der Tang-Dynastie und der anschließenden Zeit der Fünf Dynastien und Zehn Reiche; das Buch fügt Erzählungen über die Rebellion des Zhu Wen zusammen. Genannt werden ferner Fenzhuang Lou, Sui Tang Zhizhuan und Sui Tang Liangchao Zhizhuan. Bei mehreren dieser Bücher ist die Zuschreibung an Luo Guanzhong umstritten.


Literarische Merkmale↑

Kennzeichnend für die Bücher, die seinen Namen tragen, ist die Verarbeitung älterer, mündlich umlaufender Erzählungen zu großen Prosawerken. Der Stoff stammt jeweils aus der Geschichte: aus der Zeit der Drei Reiche, aus dem Ende der Tang-Dynastie, aus einem Aufstand der späten Song-Zeit. Aus diesem verstreuten Material entstanden durchgehende Bücher mit fester Kapiteleinteilung. Den Räubergeschichten vom Liang-Schan-Moor soll er die Gestalt von hundert Kapiteln gegeben haben. Er gilt als einer der Wegbereiter des historischen Romans in der chinesischen Umgangssprache.


Rezeption↑

Zu den bedeutendsten Abenteuer-Epen der chinesischen Literatur zählen die beiden Bücher, mit denen sein Name verbunden ist. Ihre Wirkung reicht weit über China hinaus. Die Geschichte der Drei Reiche erschien 1991 in einer englischen Übersetzung von Moss Roberts. Die Räuber vom Liang-Schan-Moor liegt unter anderem in einer japanischen Übersetzung von Yoshikawa Kōjirō und Shimizu Shigeru vor, die 1998 in Tokio erschien.

Die Forschung beschäftigt sich bis heute vor allem mit der Frage, was er tatsächlich geschrieben hat. Eigene wissenschaftliche Zusammenkünfte sind der Geschichte der Drei Reiche gewidmet; ein Konferenzbericht von 1999 hält eine solche Tagung fest. Auch die große chinesische Enzyklopädie führt einen eigenen Artikel über ihn. Seine Romane wurden vielfach bearbeitet, etwa für Theater, Fernsehen und Comics.

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