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Porträt Qu Yuan
Qu Yuan
340 v. Chr. – 278 v. Chr.
– Autorenporträt –

Qu Yuan

340 v. Chr. – 278 v. Chr.

Er gilt als Chinas früheste namentlich greifbare Dichtergestalt. Ihm wird das lange Klagegedicht „Lisao“ zugeschrieben; der Überlieferung nach wird ihm zu Ehren bis heute das Drachenbootfest gefeiert.

Kurzbiografie↑

Als erste chinesische Dichterpersönlichkeit, die historisch fassbar ist, gilt Qu Yuan. Er lebte um 340 bis 278 v. Chr., in der Zeit der Streitenden Reiche im antiken China. Allgemein zugeschrieben wird ihm das lange Klagegedicht Lisao, dessen Titel sich mit „Trauer nach der Trennung“ wiedergeben lässt. Der Überlieferung nach war er ein Adliger aus dem Königshaus von Chu, verlor sein Amt am Hof und ertränkte sich im Fluss Miluo. Bis heute wird ihm zu Ehren in China das Drachenbootfest gefeiert.


Biografie↑

Über das Leben Qu Yuans lässt sich nur wenig mit Sicherheit sagen. Die Lebensdaten werden gewöhnlich mit etwa 340 bis 278 v. Chr. angegeben. Er stammte aus dem Reich Chu, einem der Staaten jener Epoche, die man in China die Zeit der Streitenden Reiche nennt. Als Geburtsort wird meist Zigui genannt; nach anderer Auffassung stammte er aus der Hauptstadt Ying.

Der Überlieferung zufolge gehörte Qu Yuan als Adliger dem Königshaus von Chu an. Er soll am Hof des Königs Huai einen höheren Posten bekleidet haben. Seine politische Haltung brachte ihm Gegner am Hof ein, die ihn beim König verleumdeten. So verlor er, der Erzählung nach, sein Amt. Danach soll er jahrelang im Exil umhergeirrt sein.

Das Ende seines Lebens ist ebenfalls Teil dieser Überlieferung: Er soll sich im Fluss Miluo ertränkt haben. Alle diese biografischen Angaben stehen unter Vorbehalt. Als weitgehend anerkannt gilt nur, dass Qu Yuan der Verfasser des Lisao ist. Einzelne Forscher bezweifelten sogar, dass er überhaupt gelebt hat. Die übrigen Zuschreibungen bleiben unsicher.

Seine Gedichte sind in den Chuci überliefert, den „Gesängen aus Chu“. In der heute bekannten Form stellte Wang Yi diese Sammlung im 2. Jahrhundert n. Chr. zusammen; sie enthält auch Werke anderer Dichter. Sie zählt neben dem Shi Jing zu den frühesten Gedichtsammlungen Chinas. Auch das Gedicht Tianwen, die „Himmelsfragen“, gilt meist als sein Werk. Darin geht es unter anderem um astronomische Fragen.

Um Qu Yuans Tod hat sich eine Legende gebildet, die bis heute lebendig ist. Die Bewohner des Miluo-Ufers sollen in ihre Boote gestiegen sein, um ihn zu retten, was ihnen jedoch nicht gelang. Anschließend hätten sie Reis ins Wasser geworfen, um die Fische von seinem Körper abzulenken. Daraus sollen die Zongzi entstanden sein, in Blätter gewickelter Reis. Die Überlieferung verbindet das jährliche Drachenbootfest mit dieser Erzählung, doch ist das Fest vermutlich älter. Zongzi zu essen ist bis heute Brauch an diesem Tag.


Literarische Merkmale↑

Neu war am Lisao vieles zugleich: sein Gegenstand, seine Form und sein Versmaß. Das lange Klagegedicht gilt als Elegie, als Gedicht der Trauer. Sein Titel wird mit „Trauer nach der Trennung“ oder „Trennungsschmerz“ übersetzt und benennt damit das beherrschende Gefühl.

Für die spätere chinesische Dichtung wurde das Gedicht zum Vorbild. Vor allem die Fu-Gedichte der Han-Zeit knüpften an es an. In den Tianwen, den „Himmelsfragen“, tritt eine andere Seite hervor. Dort stellt der Dichter mehr als hundert Fragen. Sie gelten etwa dem Ursprung der Welt, dem Himmel und den Gestirnen, den Mythen und der alten Geschichte.


Rezeption↑

Über die Jahrhunderte ist Qu Yuan in China zu einer Gestalt geworden, an die man sich alljährlich erinnert. Das Drachenbootfest wird ihm zu Ehren gefeiert, und die dabei gegessenen Zongzi verbindet die Legende mit seinem Tod.

Seine Wirkung auf die Literatur reicht weit. Das Lisao wurde für die spätere chinesische Dichtung beispielhaft, besonders für die Fu-Gedichte der Han-Zeit. In der Wissenschaft ist die Zuschreibung der übrigen Texte allerdings umstritten geblieben. Der Sinologe Ernst Schwarz promovierte 1965 in Ost-Berlin mit einer Arbeit über die Probleme der Qu-Yuan-Forschung.

Auch außerhalb der Literatur wirkt sein Name fort. Am 24. April 2020 gab die Nationale Raumfahrtbehörde Chinas bekannt, dass ihre Missionen zu anderen Planeten künftig alle „Tianwen“ heißen sollten, jeweils mit eigener Nummer. Der Name greift Qu Yuans „Himmelsfragen“ auf.

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