Meisterwerke der Worte
MEISTERWERKE DER WORTE
Das Lexikon der klassischen Literatur
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Autoreneintrag · Wang Wei
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Porträt Wang Wei
Wang Wei
um 700 – 761
– Autorenporträt –

Wang Wei

um 700 – 761

Dichter, Maler und Musiker der chinesischen Tang-Zeit, dessen Landschaftsgedichte vom Chan-Buddhismus geprägt sind – 29 davon stehen in der Anthologie „Dreihundert Tang-Gedichte“.

Kurzbiografie↑

Zu den bekanntesten Dichtern der chinesischen Tang-Zeit zählt Wang Wei, der zugleich als Maler, Musiker und Staatsmann wirkte. Neunundzwanzig seiner Gedichte wurden in die weit verbreitete Anthologie Dreihundert Tang-Gedichte aufgenommen. Sein Werk ist durchdrungen von Naturbildern, doch die Natur ist bei ihm selten bloße Umgebung: Sie steht für eine geistige Wirklichkeit hinter den sichtbaren Dingen. Prägend dafür war seine Nähe zum Chan-Buddhismus und zum Daoismus sowie seine Schulung in der Meditation. Wang Wei gilt neben Li Bai, Du Fu und Meng Haoran als einer der herausragenden Dichter seiner Epoche.


Biografie↑

Über die Lebensdaten Wang Weis gehen die Angaben auseinander. Geboren wurde er um 700. Er starb 761, nach anderen Angaben 759.

Seine Familie stammte aus dem Kreis Qi in der heutigen Provinz Shanxi. Er starb in Chang'an.

Wang Wei lebte und wirkte zur Zeit der chinesischen Tang-Dynastie. Er war nicht allein Dichter, sondern zugleich Maler, Kalligraf, Musiker und Staatsmann.

Prägend für sein Leben war die Nähe zum Chan-Buddhismus und zum Daoismus. Er schulte sich in der Meditation, und diese Praxis schlug sich unmittelbar in seiner Kunst nieder. Sein Ziel war es, die äußere Form der Dinge zu durchbrechen und ihr Wesen sichtbar zu machen.

Aus seinem Umkreis ist die Freundschaft mit dem Dichter Meng Haoran überliefert. Gemeinsam mit Li Bai und Du Fu wird er zu den bedeutenden Stimmen der Tang-Zeit gerechnet. Bekannt ist er auch als Wang Mojie, als Wang Youcheng nach seinem letzten Amt und als Shifo, „Dichter-Buddha“.


Literarische Merkmale↑

Naturbilder durchziehen Wang Weis Dichtung so dicht, dass er häufig als Naturdichter eingeordnet wird. Doch geht es ihm meist um mehr als die äußere Gestalt einer Landschaft. Die Natur dient ihm als Bild für eine geistige Wirklichkeit.

Kennzeichnend ist, dass bei ihm Subjekt und Objekt, Gefühl und Landschaft ineinanderfließen und in ihrer Verflechtung dargestellt werden. In vielen Gedichten ist das sprechende Ich kaum wahrnehmbar; es bleibt nur ein Blick, der über die Landschaft schweift. Das lässt sich auf seine Kenntnis des Chan zurückführen, in dem es darum geht, zur reinen Wahrnehmung der Dinge zu gelangen und die Subjektivität aufzugeben.

Wiederkehrend ist das Bild der weißen Wolken, etwa in seinen Abschiedsgedichten.

Zwei Richtungen lassen sich in seiner Naturdichtung unterscheiden: die Verklärung der Natur in ihrer Schönheit und die Natur als Ort eines friedlichen ländlichen Lebens. Anders als bei einer Dichtung, die Landschaft zum Spiegel des eigenen Inneren macht, zeigt sich bei ihm eher eine Harmonie von Selbst und Welt. Daneben tritt der buddhistische Gehalt auch offen hervor, wo die Natur mit buddhistischen Begriffen belegt oder als Ort der Meditation geschildert wird. Häufig wird sie zugleich mystifiziert und ins Rätselhafte gerückt. Ein Hauptanliegen scheint die Darstellung des Fernen und Weiten zu sein. Insgesamt entsteht so eine Welt der Harmonie und der andeutungsreichen Bildlichkeit.


Rezeption↑

Aufgenommen in die klassische und weit verbreitete Anthologie Dreihundert Tang-Gedichte wurden neunundzwanzig Gedichte Wang Weis. Er gilt zudem als einer der bedeutenden Maler, Kalligrafen und Musiker seiner Zeit.

Im 20. Jahrhundert wurde sein Werk in mehreren europäischen Sprachen zugänglich gemacht. Englische Übertragungen erschienen unter anderem 1958 von Chang Yin-nan und Lewis C. Walmsley sowie 1973 von G. W. Robinson bei Penguin Books.

Auch die Forschung hat sich mit ihm befasst. Pauline Yu veröffentlichte 1980 neue Übersetzungen seiner Dichtung mit Kommentar. Eine besondere Nachwirkung hatte Wang Wei in der Übersetzungsdebatte. Eliot Weinberger und Octavio Paz stellten 1987 in 19 Ways of Looking at Wang Wei unterschiedliche Übertragungen seines Gedichts Im Hirschhagen nebeneinander. Sie wollten zeigen, was beim Übersetzen chinesischer Lyrik geschieht.

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Aus dem Werkverzeichnis↑

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