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Porträt Vergil
Vergil
70 v. Chr. – 19 v. Chr.
– Autorenporträt –

Vergil

70 v. Chr. – 19 v. Chr.

Römischer Dichter der augusteischen Zeit, dessen Epos „Äneis“ Rom einen Gründungsmythos gab und der bis heute zur lateinischen Schullektüre gehört.

Kurzbiografie↑

Publius Vergilius Maro, im Deutschen meist Vergil genannt, war ein römischer Dichter. Er lebte zur Zeit der römischen Bürgerkriege und unter dem Prinzipat des Octavian, der ab 27 v. Chr. Augustus hieß. Geboren wurde er um 70 v. Chr. bei Mantua, gestorben ist er 19 v. Chr. in Brindisi. Er gehörte zum Dichterkreis um den Kunstförderer Gaius Maecenas. Drei Werke begründeten seinen Ruhm: die Hirtengedichte der Eklogen (auch Bucolica), das Lehrgedicht Georgica über den Landbau und das Epos Äneis, das Rom seinen Gründungsmythos lieferte. Schon unter seinen Zeitgenossen zählte er zu den bekanntesten Dichtern der augusteischen Literatur. Bis heute ist er ein Klassiker der lateinischen Schullektüre.


Biografie↑

Geboren wurde Vergil als Sohn der Magia Polla und des Vergilius Maro. Nach antiker Überlieferung war der Vater Töpfer oder Angestellter eines Amtsdieners namens Magius, dessen Tochter er heiratete. Heutige Forscher sehen in ihm eher einen Grundbesitzer. Als Geburtstag nennt die Überlieferung den 15. Oktober 70 v. Chr., als Todestag den 21. September 19 v. Chr. Sein Geburtsort war das Dorf Andes bei Mantua in Norditalien. Wo dieses Dorf genau lag, ist umstritten. Eine alte Überlieferung setzt es mit Pietole bei Mantua gleich, andere Forscher suchen es weiter entfernt, etwa bei Calvisano oder Casalpoglio. Diese nahe Verbindung zum Landleben und zur bäuerlichen Welt sollte sein Werk immer wieder prägen.

Zeitgenössische Hinweise auf seine Jugend und Ausbildung finden sich fast nur in seinen eigenen Werken. Die meisten Angaben stammen erst von Sueton. Diesem zufolge verbrachte Vergil seine Jugend in Cremona und erhielt mit fünfzehn Jahren, 55 v. Chr., die Toga virilis. Danach ging er nach Mailand und kurz darauf nach Rom. Dort soll Vergil auch Mathematik und Medizin studiert haben. Als Redner scheint er wenig begabt gewesen zu sein. Bei seinem ersten Auftritt als Anwalt vor Gericht soll er kaum ein Wort herausgebracht haben. Früh wandte er sich von der Rhetorik ab und der Dichtung zu.

Ab etwa 42 v. Chr. schrieb Vergil, wohl vor allem in Neapel, sein erstes großes Werk, die Eklogen. Möglicherweise knüpfte er in dieser Zeit Verbindungen zu Dichterkreisen. Früh befreundet war er mit dem Elegiker Cornelius Gallus. Als Gönner tritt in den Eklogen Gaius Asinius Pollio hervor, dem die vierte Ekloge gewidmet ist. Nach der Schlacht bei Philippi 42 v. Chr. ließ Octavian Land in Norditalien enteignen, um die Veteranen der Bürgerkriege zu versorgen. Nach der Überlieferung war davon auch das Gut der Familie bei Mantua betroffen. Die erste und die neunte Ekloge handeln von solchen Enteignungen. Ob die Familie das Land zurückerhielt, ist nicht bekannt.

In den dreißiger Jahren gehörte Vergil zum Dichterkreis um Gaius Maecenas, einen politischen Berater Octavians. Horaz schildert, wie sich Vergil, Plotius Tucca und Varius Rufus um 37 v. Chr. Maecenas auf einer politischen Reise nach Brundisium anschlossen. Etwa von 37 bis 29 v. Chr. arbeitete Vergil an den Georgica, die Maecenas gewidmet sind. In diese Jahre fällt auch Octavians Sieg in der Schlacht bei Actium 31 v. Chr. Nach seiner Rückkehr sollen Vergil und Maecenas ihm die Georgica vorgelesen haben. Um 29 v. Chr. begann Vergil mit der Äneis, an der er bis zu seinem Tod arbeitete.

Über seine letzte Reise berichtet die antike Lebensbeschreibung. Demnach brach Vergil um 19 v. Chr. nach Griechenland auf, um die Äneis zu überarbeiten. In Athen traf er Augustus und beschloss, nach Italien zurückzukehren. Bei einem Besuch in der Nähe von Megara soll ihn ein Fieber befallen haben. Bald nach der Ankunft in Brundisium starb er. Sein Leichnam wurde verbrannt und die Asche nach Neapel gebracht. Ob sie tatsächlich im heutigen Grabhügel bei Neapel ruht, ist nicht sicher. Über sein Privatleben ist wenig bekannt. Nach einer Überlieferung erhielt er von Maecenas ein Landgut in Kampanien. Sueton beschreibt ihn als zurückhaltenden, fast scheuen, leicht kränkelnden Mann von bäuerlichem Auftreten.


Literarische Merkmale↑

Kennzeichnend für Vergils Schaffen ist, dass er sich nacheinander drei großen Gattungen widmete und in jeder Maßstäbe setzte. Das Hirtengedicht vertreten die Eklogen, das Lehrgedicht die Georgica und das Epos die Äneis. Die zehn Hirtengedichte der Eklogen entstanden etwa zwischen 42 und 39 v. Chr. Als historischer Hintergrund schimmern darin die Landverteilungen nach der Schlacht bei Philippi 42 v. Chr. durch. Dabei wurden entlassene Soldaten auf enteignetem Land in Italien angesiedelt. Durchgängig prägt die Nähe zum Landleben und zur bäuerlichen Welt sein Werk.

Sein Epos Äneis verarbeitet die mythologischen Stoffe der homerischen Epen Ilias und Odyssee und erzählt die Vorgeschichte der Gründung Roms. Octavian, der spätere Augustus, soll Vergil zu einem Epos auf seine Herrschaft gedrängt haben.

Wie hoch Vergils Ansehen war, zeigt sich auch daran, wie viele Werke ihm fälschlich zugeschrieben wurden. In der sogenannten Appendix Vergiliana ist eine Reihe von Gedichten überliefert, die nach Meinung der heutigen Forschung größtenteils nicht von ihm stammen. Dazu zählen das Kurzgedichtcorpus Catalepton, das Lehrgedicht Ätna, das kleine Gedicht Moretum über die Zubereitung eines Gerichts, die Kurzepen Culex und Ciris sowie weitere kleine Stücke. Nur einige Gedichte des Catalepton könnten Jugendwerke Vergils sein. Sie scheinen Auskunft über seine Abkehr von der Rhetorik und seine Zeit in der Schule des Epikureers Siron in Neapel zu geben.


Rezeption↑

Schon kurz nach Vergils Tod wurden seine Werke immer wieder abgeschrieben, herausgegeben, kommentiert und in andere Dichtung eingearbeitet. Seine drei Hauptwerke gelten als Wendepunkt der lateinischen Dichtung. Die Äneis löste die Annales des Quintus Ennius gleichsam als römisches Nationalepos ab. Vergil zählt zu den bedeutendsten Autoren der klassischen römischen Antike und gehört bis heute zur lateinischen Schullektüre.

Bereits unter Zeitgenossen war Vergil ein Thema der Dichtung. Sein enger Freund Horaz erwähnt ihn oft in seinen Gedichten. Was die späteren Lebensbeschreibungen über sein Aussehen und seinen Charakter berichten, ist zum Teil aus seinen Gedichten erschlossen.

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