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Porträt Murasaki Shikibu
Murasaki Shikibu
973 – 1014
– Autorenporträt –

Murasaki Shikibu

973 – 1014

Hofdame am Kaiserhof der japanischen Heian-Zeit und Verfasserin des „Genji Monogatari“, der als einer der ersten Romane der Weltliteratur gilt.

Kurzbiografie↑

Am Kaiserhof des Japan der Heian-Zeit lebte um die Wende vom 10. zum 11. Jahrhundert eine Hofdame und Schriftstellerin. Sie wurde unter dem Namen Murasaki Shikibu bekannt. Sie verfasste den Roman Genji Monogatari (Die Geschichte vom Prinzen Genji). Er gilt als einer der ersten Romane der Weltliteratur und als Meisterwerk der klassischen japanischen Literatur. Über ihr Leben ist nur wenig Gesichertes überliefert. Selbst ihr Geburts- und Sterbejahr sind unsicher. Neben dem großen Roman hinterließ sie ein Tagebuch, das Einblicke in ihren Alltag bei Hofe gibt.


Biografie↑

Über das Leben Murasaki Shikibus haben sich kaum genaue Quellen erhalten. Deshalb bleibt vieles Vermutung. Geboren wurde sie in Heian-kyō, dem heutigen Kyōto. Schon ihr Geburtsjahr ist ungewiss. Vermutet werden Jahre zwischen 970 und 978, am häufigsten wird 973 genannt. Auch das Sterbejahr ist unbekannt. Häufig wird 1014 angenommen. Andere Forscher halten es für möglich, dass sie 1025 oder noch später lebte.

Sie entstammte einem Zweig der adligen Familie Fujiwara. Ihr Vater Fujiwara no Tametoki war ein angesehener Kenner der chinesischen Klassiker und Dichtung. Ihr Urgroßvater Fujiwara no Kanesuke zählte zu den Sechsunddreißig Unsterblichen der Dichtkunst. Ihre Mutter stammte aus demselben Zweig der Fujiwara. Das Paar hatte drei Kinder: eine ältere Schwester, Murasaki selbst und den Bruder Nobunori. Die Mutter starb früh, vielleicht im Kindbett. Als Kind hörte Murasaki zu, wenn ihr Bruder die chinesischen Klassiker lernte. Nach eigener Aussage begriff sie dabei schneller als er. Mädchen wurden zu jener Zeit gewöhnlich nicht im Chinesischen unterrichtet. Deshalb lag ihr hoher Bildungsstand außerhalb der gesellschaftlichen Norm.

Im Jahr 996 wurde ihr Vater Verwalter der Provinz Echizen, des heutigen Gebiets um die Präfektur Fukui. Das bot Murasaki die damals seltene Gelegenheit, die Hauptstadt zu verlassen. Nach etwa zwei Jahren, wohl 998, kehrte sie nach Kyōto zurück. Um diese Zeit heiratete sie Fujiwara no Nobutaka, einen viel älteren entfernten Verwandten mit mehreren Frauen und Kindern. 999 kam ihre Tochter Kataiko zur Welt, die später als Dichterin Daini no Sanmi bekannt wurde. Nobutaka starb 1001. Wann Murasaki mit dem Roman begann, ist unsicher. Vermutlich geschah es während der Ehe oder kurz nach dem Tod ihres Mannes.

1005 oder 1006 trat sie in den Dienst der Kaiserin Shōshi, einer Tochter des mächtigen Fujiwara no Michinaga. Am Hof fühlte sie sich offenbar nicht wohl und gab sich zurückhaltend. Kaiser Ichijō hielt sie für so gebildet, dass er äußerte, sie müsse das in klassischem Chinesisch verfasste Geschichtswerk Nihongi gelesen haben. Das war bemerkenswert, weil Frauen der Heian-Zeit gewöhnlich kein Chinesisch lasen, sondern die sogenannte Frauenschrift verwendeten.

Eine weitere gebildete Schriftstellerin jener Jahre war Sei Shōnagon, die Verfasserin des Kopfkissenbuches. Sie hatte der Kaiserin Sadako gedient, die 1001 starb, noch bevor Murasaki an den Hof kam. Persönlich begegnet sind sich die beiden Frauen daher wohl nicht. Murasaki ließ in ihrem Tagebuch dennoch kein gutes Wort über die selbstsichere Rivalin fallen. Ein Grund dürfte die Rivalität zwischen den Höfen der beiden Kaiserinnen gewesen sein.

Bei Hofe schrieb Murasaki an ihrem Roman weiter. Heimlich unterrichtete sie die Kaiserin im klassischen Chinesischen; diese interessierte sich besonders für die Balladen des Bai Juyi. Ihr Tagebuch, das Murasaki Shikibu nikki, setzt im Herbst 1008 ein und reicht bis 1010. Es schildert ihr Leben bei Hof und die Geburt des späteren Kaisers Go-Ichijō. 1011 starben Kaiser Ichijō und etwa zur selben Zeit ihr Bruder Nobunori. Murasaki blieb wohl bei Shōshi und ist 1013 noch in deren Umgebung bezeugt. Wie ihr weiteres Leben verlief, ist unbekannt.


Literarische Merkmale↑

Mit dem Genji Monogatari schuf Murasaki Shikibu ein umfangreiches erzählendes Werk. Es gilt als einer der ersten Romane der Weltliteratur. Ihre besondere Voraussetzung war eine für eine Frau der Heian-Zeit ungewöhnliche Bildung. Sie beherrschte das klassische Chinesisch, das damals fast ausschließlich Männern vorbehalten war. Auch in der Dichtung kannte sie sich aus. Die Kaiserin unterrichtete sie heimlich im Chinesischen. Neben dem Roman steht ihr Tagebuch, das Murasaki Shikibu nikki. Darin hielt sie ihre Gedanken über Ereignisse bei Hofe und ihre Urteile über andere Hofdamen fest.


Rezeption↑

Schon zu Lebzeiten stieß Murasaki Shikibu bei Hofe auf gemischte Reaktionen. Eine Hofdame verspottete sie als „Dame der Chroniken“, weil sie mit ihrem Wissen prahle. Kaiser Ichijō dagegen rühmte ihre Bildung ausdrücklich. Ihr Werk Genji Monogatari wird heute als Meisterwerk der klassischen japanischen Literatur und der Weltliteratur angesehen. Es gilt als einer der ersten Romane überhaupt. Spätestens 1021 lag er vollständig vor, und innerhalb eines Jahrhunderts galt er als Klassiker.

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