47 v. Chr. – 16 v. Chr.
Properz
Kurzbiografie↑
Zu den Vertretern der römischen Liebeselegie zählt Sextus Propertius, im Deutschen Properz genannt. Gemeinsam mit Cornelius Gallus, Tibull und Ovid prägte er diese Gattung. Sie erlebte in der zweiten Hälfte des ersten Jahrhunderts v. Chr. ihre kurze Blüte. Geboren wurde er vermutlich um 47 v. Chr. in Assisi. Gestorben ist er spätestens vor 2 v. Chr. Überliefert sind von ihm ausschließlich Elegien, gesammelt in vier Büchern. In deren Mittelpunkt steht zunächst die Liebe zu einer Frau, die er Cynthia nennt. Sein Erstlingswerk erregte solche Aufmerksamkeit, dass er in den Dichterkreis um Maecenas aufgenommen wurde.
Biografie↑
Über die Lebensdaten des Properz ist wenig gesichert. Sein Geburtsdatum ist nicht überliefert. Die Angaben zum Geburtsjahr schwanken zwischen etwa 50 und 45 v. Chr., meist wird um 47 v. Chr. genannt. Als Geburtsort gilt Assisi.
Vermutlich gehörte seine Familie dem Ritterstand an und verfügte über Landbesitz. Das mag ein Grund dafür sein, dass Properz sich bereits in jungen Jahren das Dichten leisten konnte. Er verzichtete auf die öffentliche Laufbahn, die ihm seine Mutter zugedacht hatte. Schon in seiner Kindheit, um 41 oder 40 v. Chr., hatte die Familie Land verloren. Die Triumvirn beschlagnahmten damals Grundbesitz für ihre Veteranen.
Properz schrieb Elegien. Diese Gedichte standen im Versmaß des elegischen Distichons, einem Wechsel von Hexameter und Pentameter. Sie behandelten vorzüglich Themen wie Liebe, Schmerz und Zurückweisung. Um die Mitte des ersten Jahrhunderts v. Chr. waren sie nach dem Vorbild des Dichters Catull zu einer neuen Gattung römischer Dichtung geworden. Die Form war in der römischen Oberschicht in Mode. Cicero nannte die Dichter um Catull abfällig Neoteroi, griechisch für „die Neueren“, und lateinisch poetae novi. Daraus entstand die Bezeichnung Neoteriker. Diese Dichter wandten sich bewusst von der Politik ab und widmeten sich privaten Themen und der Liebe. Vor allem waren sie experimentierfreudig in der Gestaltung dichterischer Kleinformen. Dieselbe Lust am Experiment zeigte der junge Properz in seinem ersten Elegienbuch. Aufbauend auf dem Epigramm erweiterte er mit großem Einfallsreichtum die Motive der alten Dichtungsgattung. Das Erstlingswerk erregte so viel Aufmerksamkeit, dass er in den Kreis des Maecenas aufgenommen wurde.
Auch das Todesdatum des Properz ist nicht überliefert. Meist wird angenommen, dass er kurz nach 16 oder 15 v. Chr. starb. Aus einer Elegie Ovids, die um 2 v. Chr. datiert wird, geht hervor, dass Properz damals nicht mehr lebte. Als Sterbeort wird Rom genannt.
Literarische Merkmale↑
Erhalten sind von Properz ausschließlich Elegien, verteilt auf vier Bücher. Das erste wird auch Monobiblos genannt und erschien wohl um 30 oder 29 v. Chr. Nach anderen Angaben kam es erst 25 v. Chr. heraus. In seinen 22 Elegien geht es vor allem um die Liebe des elegischen Ichs zu einem Mädchen namens Cynthia. Schon in der ersten Elegie erscheint Cynthia als Herrin, die den armen Liebenden mit ihren lieblichen Augen gefangen genommen hat. Hinter dem Pseudonym Cynthia soll sich nach Apuleius eine gewisse Hostia verbergen.
Cynthia ist auch die Hauptperson des zweiten Buches. Die Angaben zu seinem Erscheinen schwanken zwischen etwa 29 und 24 v. Chr. Nach der üblichen Zählung umfasst es 34 Elegien und ist damit das längste Buch. Die Grenzen der Gedichte sind allerdings strittig, manche Ausgaben teilen sie anders ein.
Das dritte Buch wurde nach 23 v. Chr. veröffentlicht. Im ersten Gedicht stellt sich das Werk ausdrücklich in die Nachfolge der hellenistischen Dichter Kallimachos und Philetas. Nur noch etwa ein Drittel der 25 Elegien handelt von Cynthia. Mehrfach greift Properz in seinem Werk auf die recusatio zurück, die entschuldigende Zurückweisung. Er lehnt es ab, ein preisendes Epos auf Augustus zu verfassen, und wählt stattdessen die kleinere Gattung der Liebeselegie. Wie die einzelnen recusationes zu deuten sind, ist in der Forschung umstritten.
Das vierte und letzte Buch aus elf Elegien erschien nach 16 v. Chr., vielleicht erst nach seinem Tod. Hier wechseln sich erotische und aitiologische Elegien ab, letztere mit Ursprungssagen zu Bräuchen oder Namen. Nur noch zwei Gedichte handeln von Cynthia: In Elegie 7 erscheint die verstorbene Cynthia dem Dichter als Gespenst im Schlaf, in Elegie 8 ist sie wieder lebendig. Der deutsche Altphilologe Peter Habermehl deutet beide Gedichte als zusammengehöriges Paar. Die Elegie 6 auf die Seeschlacht bei Actium bildet den Mittelpunkt des Buches. Die abschließende Elegie ist eine Rede der verstorbenen Cornelia. Im vierten Buch nähert sich Properz so der augusteischen Staatsdichtung an. Ob er sie zugleich unterläuft, ist umstritten. Er behandelt nicht mehr nur die Liebe, sondern auch historische und mythologische Stoffe.
Rezeption↑
Bereits zu Lebzeiten fand Properz Anerkennung, denn sein erstes Buch trug ihm den Eintritt in den Dichterkreis des Maecenas ein. Ovid führte ihn in einem Dichterkatalog in den Remedia amoris auf. Das zeigt, dass er als fester Bestandteil der römischen Liebeselegie galt. Apuleius beschäftigte sich später mit der Frage, wer sich hinter dem Pseudonym Cynthia verberge, und nannte den Namen Hostia.
In der neueren Forschung wird betont, dass das elegische Ich nicht mit der Person des Dichters gleichgesetzt werden darf. Vielmehr handele es sich bei seinen Elegien um Rollengedichte. Auch einzelne Verfahren seiner Dichtung, etwa die recusatio, sind Gegenstand anhaltender Deutungsdiskussionen.
Mitglieder des YouTube-Kanals erhalten das ganze Lexikon als PDF zum Download – zum Sammeln, Offline-Lesen und Ausdrucken. Mitglied werden →