254 v. Chr. – 184 v. Chr.
Plautus
Kurzbiografie↑
Zu den ersten und produktivsten Komödiendichtern des alten Rom zählt Titus Maccius Plautus. Er lebte um die Wende vom 3. zum 2. Jahrhundert v. Chr. Seine Lustspiele waren beim römischen Publikum sehr beliebt und sicherten ihm rasch Erfolg. Über sein Leben ist wenig Gesichertes überliefert. Vieles, was die antiken Lebensbeschreibungen berichten, lässt sich nicht mehr nachprüfen. Sein Werk wirkte über die Jahrhunderte fort. Es lieferte späteren Dramatikern von William Shakespeare bis Heinrich von Kleist den Stoff für eigene Stücke.
Biografie↑
Geboren wurde Plautus in der kleinen Apenninstadt Sassina, dem heutigen Sarsina in der Romagna. Das genaue Geburtsjahr ist nicht bekannt. Meist wird es um 254 v. Chr. angesetzt, nach anderen Angaben zwischen 255 und 250 v. Chr. Als sicher gilt dagegen sein Todesjahr 184 v. Chr.
Über seinen Werdegang berichten antike Lebensbeschreibungen mancherlei. Heute lässt sich nicht mehr feststellen, wie viel davon wahr ist. Demnach arbeitete Plautus zunächst in Rom am Theater. Mit dem verdienten Geld soll er einen Seehandel begonnen und dabei alles verloren haben. Danach musste er sich als Arbeiter in einer Mühle durchschlagen. Auffällig ist, dass in seinen Komödien Sklaven oft mit der Arbeit in der Mühle gedroht wird. Vermutlich übertrugen spätere Biografen solche Einzelheiten aus den Stücken auf das Leben des Dichters.
Auf den Gelehrten Varro geht eine Anekdote zurück, die Aulus Gellius in den Noctes Atticae überliefert. Danach schrieb Plautus die Stücke Saturio und Addictus sowie ein drittes, während er in der Mühle arbeitete. Seine Komödien kamen etwa zwischen 205 und 184 v. Chr. auf die Bühne und waren beim Publikum sehr beliebt. Plautus starb 184 v. Chr.
Literarische Merkmale↑
Seine Komödien sind Bearbeitungen griechischer Stücke der Neuen Komödie, etwa von Menander, für das römische Publikum. Eine typische Figur ist der schlaue Sklave. So tritt in der Komödie Pseudolus der gleichnamige Sklave auf. Er trickst herum, um dem Sohn seines Herrn zu seiner Liebe zu verhelfen. Seine Lustspiele griffen Stoffe auf, die in der griechischen Welt angesiedelt waren, etwa in Athen. Spätere Dramatiker griffen sie immer wieder auf.
Rezeption↑
Gelesen wurde Plautus auch im Mittelalter, vollständig wiederentdeckt wurden seine erhaltenen Komödien aber erst im Humanismus. Seit dem frühen 16. Jahrhundert wurden sie wieder aufgeführt. In der Folge dienten seine Komödien Dramatikern verschiedener Epochen als Vorlage für eigene Stücke. William Shakespeare lehnte sich in seinem Jugendwerk Die Komödie der Irrungen eng an das Stück Menaechmi an. Molière schöpfte aus Amphitruo für seinen Amphitryon. Nach dem Vorbild der Aulularia schrieb er sein Stück Der Geizige. Heinrich von Kleists Amphitryon wiederum ist laut Untertitel ein „Lustspiel nach Molière“.
Besonders intensiv beschäftigten sich Gotthold Ephraim Lessing und Jakob Michael Reinhold Lenz mit dem altrömischen Dichter. Lessing studierte ihn gründlich, was seinen eigenen Dramenstil beeinflusste. Unmittelbar auf die Trinummus gestützt schuf er das Lustspiel Der Schatz. Sein unvollendeter Entwurf Weiber sind Weiber ging auf den Stichus zurück. Die Captivi übersetzte Lessing ins Deutsche. Lenz, der Dichter des Sturm und Drang, bearbeitete 1772 und 1773 fünf Komödien des Plautus und übertrug den alten Stoff auf die deutschen Verhältnisse seiner Zeit. Goethe vermittelte den Druck, und die Stücke erschienen 1774 ohne Verfassernamen unter dem Titel Fünf Lustspiele nach dem Plautus fürs deutsche Theater. Noch im 20. Jahrhundert wirkte der Stoff fort. Dem 1962 erstmals aufgeführten Broadway-Musical Toll trieben es die alten Römer liegen mehrere Komödien des Plautus zugrunde, darunter Pseudolus und Miles gloriosus. Musik und Liedtexte schrieb Stephen Sondheim. Richard Lester verfilmte das Musical 1966.
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