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Das Lexikon der klassischen Literatur
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Autoreneintrag · Thomas Malory
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Porträt Thomas Malory
Thomas Malory
– 1471
– Autorenporträt –

Thomas Malory

– 1471

Autor oder Herausgeber von „Le Morte d’Arthur“, der die verstreuten Stränge der Artus-Sage zu einer durchgehenden Prosa-Erzählung verband.

Kurzbiografie↑

Über das Leben von Sir Thomas Malory ist wenig gesichert. Bekannt ist er als Autor oder Herausgeber von Le Morte d’Arthur, jener Prosa-Erzählung, die die verstreuten Stränge der Artus-Sage zu einer zusammenhängenden Darstellung verband. Sein Geburtsjahr ist unsicher, gestorben ist er wohl 1471. Wer er genau war, ist nicht geklärt, denn im 15. Jahrhundert lebten mehrere Männer dieses Namens. Die meisten heutigen Forscher setzen ihn mit Sir Thomas Malory of Newbold Revel in Warwickshire gleich. Der frühe Gelehrte John Leland hielt ihn dagegen für einen Waliser. Sein Werk erschien erst nach seinem Tod im Druck und gilt vielen als einflussreiche englische Fassung des Artus-Stoffs.


Biografie↑

Vieles am Lebensweg Malorys bleibt unsicher. Schon seine Identität steht nicht fest. Die meisten modernen Forscher halten Sir Thomas Malory of Newbold Revel in Warwickshire für den Verfasser. Andere denken an gleichnamige Männer aus Papworth St Agnes oder aus Hutton Conyers in Yorkshire. John Leland nahm an, Malory sei Waliser gewesen. Auch das Geburtsjahr ist unsicher. Für den Malory aus Newbold Revel reichen die Schätzungen von den 1390er-Jahren bis um 1418. Sein Familienname erscheint in verschiedenen Schreibweisen, darunter Maillorie und Maleore.

Nach seinen eigenen Worten war Malory ein Ritter, aber auch ein Gefangener. Seine Selbstbeschreibung als „ein Diener Jesu bei Tag und bei Nacht“ hat zu der Vermutung geführt, er könnte ein Priester gewesen sein. Die folgenden Lebensdaten betreffen den Malory aus Newbold Revel. Vor Oktober 1441 wurde er zum Ritter geschlagen. In den 1440er-Jahren saß er für die Grafschaft Warwickshire im englischen Parlament. In den Rosenkriegen stand er zunächst wohl auf der Seite des Hauses York. Später wechselte er vermutlich zum Haus Lancaster.

Ab 1451 wurde Malory wegen Taten angeklagt, die er seit 1450 begangen haben soll. Die Vorwürfe lauteten unter anderem auf versuchten Mord, Raub, Diebstahl, Erpressung und Vergewaltigung. Den größten Teil der 1450er-Jahre verbrachte er in Haft, unter anderem im Londoner Marshalsea-Gefängnis und im Tower. 1460 saß er im Newgate-Gefängnis. Sein Buch über die Artus-Sage schrieb der Verfasser nach eigenen Worten als Gefangener. Akten über eine Haft zur Zeit der Fertigstellung hat man jedoch nicht gefunden. Ursprünglich hieß das Werk The Whole Book of King Arthur and of His Noble Knights of the Round Table. Nach der Schlussnotiz wurde es im neunten Regierungsjahr König Eduards IV. beendet, also 1469 oder 1470.

Für seine Darstellung stützte sich Malory offenbar auf französische Vorlagen. William Caxton schreibt im Vorwort zur Erstausgabe, er drucke „nach einer Kopie, die mir übergeben wurde“. Diese habe „Sir Thomas Malory aus gewissen französischen Büchern genommen und ins Englische übertragen“. Malorys wichtigste Vorlagen waren französische Prosaromane, vor allem der Lancelot-Gral-Zyklus und dessen Fortsetzung, die sogenannte Post-Vulgata. Dazu kamen zwei englische Dichtungen über Arthurs Tod, die Alliterative Morte Arthure und der Stanzaic Morte Arthur.

Der Malory aus Newbold Revel starb am 14. März 1471. Wo er starb, ist nicht sicher bekannt. Begraben wurde er in London in der Kirche Christ Church Greyfriars nahe dem Newgate-Gefängnis. Sein Grab ging verloren, als das Kloster 1538 aufgelöst wurde. Veröffentlicht wurde sein Werk erst 1485 postum durch William Caxton unter dem Titel Le Morte d’Arthur.


Literarische Merkmale↑

Prägend für Malorys Werk ist die Form der zusammenhängenden Prosa-Erzählung. In Le Morte d’Arthur brachte er die verschiedenen Stränge der Artus-Legende in eine durchgehende Darstellung. Dabei arbeitete er nach eigenem Zeugnis aus französischen Vorlagen, die er ins Englische verkürzte und zusammenfasste. Caxton beschrieb dieses Vorgehen im Vorwort zur Erstausgabe als ein Übernehmen aus verschiedenen französischen Büchern.


Rezeption↑

Erst nach Malorys Tod gelangte sein Werk an die Öffentlichkeit: 1485 druckte William Caxton es unter dem Titel Le Morte d’Arthur. Die von Malory geschaffene Prosa-Fassung führte die verstreuten Teile der Artus-Legende zusammen. Sie gilt als klassische englische Darstellung der Artus-Sage und wurde sogar als erster englischer Roman bezeichnet. Ins Deutsche übertrug Hedwig Lachmann das Buch; ihre Übersetzung erschien 1913 im Insel Verlag in Leipzig.

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Aus dem Werkverzeichnis↑

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