Meisterwerke der Worte
MEISTERWERKE DER WORTE
Das Lexikon der klassischen Literatur
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Autoreneintrag · Josef Leitgeb
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Josef Leitgeb
1897 – 1952
– Autorenporträt –

Josef Leitgeb

1897 – 1952 · 54 Jahre

Der Tiroler Dichter Josef Leitgeb schrieb Naturlyrik nach dem Vorbild Georg Trakls und erhielt 1950 den Großen Österreichischen Staatspreis – auf der ersten deutschen Ausgabe von Antoine de Saint-Exupérys „Der kleine Prinz“ steht er gemeinsam mit seiner Frau Grete als Übersetzer.

Kurzbiografie↑

Josef Leitgeb war ein österreichischer Schriftsteller, der sein Leben lang in Tirol verwurzelt blieb. Er wurde 1897 in Bischofshofen im Land Salzburg geboren und starb 1952 in Innsbruck. Sein Werk besteht überwiegend aus Gedichten: Naturlyrik in traditionellen Formen, geprägt von seinem Vorbild Georg Trakl. Daneben schrieb er zwei Romane sowie zwei autobiografische Bücher, darunter die Kindheitschronik Das unversehrte Jahr. Beruflich war er Lehrer und später Stadtschulinspektor in Innsbruck; 1950 wurde ihm der Österreichische Staatspreis für Literatur zugesprochen.


Biografie↑

Geboren wurde Josef Leitgeb in Bischofshofen bei Salzburg. Das Geburtsjahr ist in den Nachschlagewerken nicht einheitlich: Wikidata und die Deutsche Nationalbibliothek nennen den 17. August 1897, während die Neue Deutsche Biographie den 17. August 1896 angibt. Er stammte aus einer Tiroler Familie. Sein Vater Alfred war Bahnbeamter und selbst der Sohn eines Arztes aus dem Etschtal; die Mutter hieß Marie Haas. Laut der Deutschen Biographie verlor Leitgeb die Mutter 1906 und den Vater 1911.

Seine Jugend verbrachte er in Innsbruck. Dort besuchte er das Gymnasium und legte 1915 die Kriegsmatura ab. Im selben Jahr wurde er als Soldat zu den Tiroler Kaiserjägern eingezogen und nahm auf österreichisch-ungarischer Seite am Ersten Weltkrieg teil.

Nach Kriegsende begann er an der Universität Innsbruck ein Studium der Germanistik, wechselte dann aber zur Rechtswissenschaft. Daneben absolvierte er 1921 eine Ausbildung zum Volksschullehrer. Ab 1922 unterrichtete er an Tiroler Dorfschulen. 1925 wurde er zum Doktor der Rechte promoviert. Im selben Jahr heiratete er in Innsbruck Grete, geborene Ritter (1903–2002), die aus Liechtenstein stammte. Aus der Ehe gingen zwei Söhne und eine Tochter hervor; einer der Söhne fiel im Krieg.

Für seinen literarischen Weg wurde eine Lesung in Innsbruck im Jahr 1921 entscheidend. Ludwig von Ficker, der Herausgeber der Zeitschrift „Der Brenner“ und Förderer Georg Trakls, nahm Leitgeb daraufhin in den Brenner-Kreis auf. In Fickers Verlag erschien 1922 auch Leitgebs erstes Buch, der Band Gedichte. In den zwanziger Jahren gehörte er zum Kreis der Lyriker um Ficker.

Von 1929 bis 1939 arbeitete Leitgeb als Hauptschullehrer in Innsbruck. In diese Jahre fallen mehrere Veröffentlichungen: der Roman Kinderlegende und der Gedichtband Musik der Landschaft, 1936 der Roman Christian und Brigitte und 1938 die Sonettensammlung Läuterungen. 1939 folgte der Band Tirol und Vorarlberg.

Am Zweiten Weltkrieg nahm Leitgeb als Hauptmann der Wehrmacht teil, vorwiegend in der Ukraine. 1941 erschien Brief über den Süden. 1942 kamen die Aufzeichnungen aus der Ukraine unter dem Titel Am Rande des Krieges heraus. 1943 erschienen die Gedichte Vita somnium breve.

Unmittelbar nach Kriegsende wurde ihm das Amt eines Stadtschulinspektors in Innsbruck übertragen. Es folgten 1947 Von Blumen, Bäumen und Musik und 1948 die Kindheitschronik Das unversehrte Jahr. Von 1948 bis 1952 gab Leitgeb gemeinsam mit F. Punt und H. Lechner die Reihe „Wort im Gebirge“ heraus. 1951 erschienen die Kleinen Erzählungen und der Gedichtband Lebenszeichen, außerdem die Studie Die Trakl-Welt in „Wort im Gebirge“.

Gemeinsam mit seiner Frau Grete, die anders als er gut Französisch konnte, übertrug er Werke aus dem Französischen. 1948 erschien unter seinem Namen Antoine de Saint-Exupérys Brief an einen Ausgelieferten. 1950 folgte Der kleine Prinz, auf der Ausgabe als Übertragung von Grete und Josef Leitgeb genannt. Nach neuerer Forschung stammte die Rohfassung von Grete, er überarbeitete sie sprachlich. 1950 erhielt er den Großen Österreichischen Staatspreis.

Josef Leitgeb starb am 9. April 1952 in Innsbruck. Begraben liegt er auf dem Friedhof in Innsbruck-Mühlau. Aus dem Nachlass erschienen 1953 die Sämtlichen Gedichte und 1959 der Band Abschied und fernes Bild mit Erzählungen und Essays. Sein Nachlass liegt im Brenner-Archiv der Universität Innsbruck.


Literarische Merkmale↑

Begonnen hat Leitgeb als Lyriker, und die Lyrik blieb der Kern seines Werks. Prägend wurde für ihn die bildstarke Dichtung Georg Trakls. Er empfand sie, wie die Neue Deutsche Biographie formuliert, als wahlverwandtes Vorbild. Seine eigenen Gedichte halten sich dabei an überlieferte Formen. Die Deutsche Biographie beschreibt sie als von empfindsamer Naturnähe und traditionellem Formbewusstsein gleichermaßen geprägt.

Zeitlebens verstand sich Leitgeb als „Tiroler Dichter“. Herkunft, Leben und Werk hängen bei ihm eng zusammen, und das gilt für die Gedichte ebenso wie für die Erzählungen und die autobiografischen und essayistischen Prosaarbeiten. Der Titel seines zweiten Gedichtbands Musik der Landschaft benennt laut der Neuen Deutschen Biographie ein Hauptmotiv des Gesamtwerks und deutet gleichzeitig auf den liedhaften Reiz dieser Gedichte.

Die Verbundenheit mit Landschaft und Heimat bestimmt auch die beiden Romane. Kinderlegende geht auf ein historisches Ereignis in Meran zurück. Der Roman erzählt von einem Hirtenjungen, der wegen seiner magischen Naturverbundenheit als „Hexer“ verdächtigt wird. Nach einem Urteil der Inquisition wird er verbrannt. In Christian und Brigitte schildert Leitgeb die autobiografisch gefärbte Geschichte eines Volksschullehrers. In dessen innerer Ratlosigkeit spiegeln sich für den Autor der Umbruch des bäuerlichen Lebens und die Krise einer ganzen Epoche. Solche Zeitbezüge gaben nach dem Urteil der Neuen Deutschen Biographie auch den Anlass für zahlreiche Gedichte der Sonettensammlung Läuterungen.

Als seine bedeutendsten literarischen Leistungen gelten der Neuen Deutschen Biographie die beiden autobiografischen Arbeiten der späteren Jahre. Die Aufzeichnungen aus der Ukraine in Am Rande des Krieges geben lebensvolle Charakterbilder der Menschen und der Landschaft dieser Gegend. In Das unversehrte Jahr, der Chronik seiner eigenen Kindheit, zeichnet er ein genaues und melancholisches Bild des ländlichen Österreich in den Jahrzehnten vor dem Ersten Weltkrieg.


Rezeption↑

Anerkennung fand Leitgeb schon zu Lebzeiten. 1950 erhielt er den Großen Österreichischen Staatspreis; die Neue Deutsche Biographie vermerkt, dass er als erster mit diesem Preis ausgezeichnet wurde. Ludwig von Ficker, der ihn einst in den Brenner-Kreis geholt hatte, hielt 1952 eine Rede an Leitgebs Grab, die später in Fickers Sammlung „Denkzettel und Danksagungen“ aufgenommen wurde.

In den Jahrzehnten nach seinem Tod beschäftigte sich die Forschung mehrfach mit seinem Werk, vor allem im österreichischen Raum. Helmut Schinagl widmete 1954 in Innsbruck eine Dissertation dem Landschaftserlebnis bei Leitgeb. Josef Wolf legte 1966 eine Darstellung von Leben und Werk vor. Helmut Schink untersuchte 1970 in Salzburg das Menschenbild in Leitgebs Werken. 1977 erschien ein Beitrag von Zangerle in der Zeitschrift „Literatur und Kritik“.

Verzeichnet ist Leitgeb in den gängigen Nachschlagewerken, unter anderem bei Kosch und in Kürschners Literatur-Kalender, sowie in regionalen Werken wie dem Lexikon Literatur in Tirol und dem Austria-Forum. Den Artikel in der Neuen Deutschen Biographie von 1985 schrieb Rudolf Radler. Lebendig geblieben ist sein Name außerdem über die Übersetzung: Der kleine Prinz von Antoine de Saint-Exupéry erschien 1950 in der deutschen Fassung, die Josef und Grete Leitgeb gemeinsam erarbeitet hatten.

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