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Das Lexikon der klassischen Literatur
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Porträt John Keats
John Keats
1795 – 1821
– Autorenporträt –

John Keats

1795 – 1821 · 25 Jahre

Dichter der englischen Romantik, der in wenigen Jahren die großen Oden über Schönheit, Vergänglichkeit und Tod schrieb und mit fünfundzwanzig Jahren in Rom starb.

Kurzbiografie↑

Zu den bekanntesten englischen Dichtern der Romantik gehört John Keats. Er kam 1795 in London zur Welt und starb bereits mit fünfundzwanzig Jahren in Rom. Neben Lord Byron und Percy Bysshe Shelley zählt er zu den wichtigsten Vertretern der zweiten Generation der englischen Romantik. Ausgebildet war er als Apotheker, der auch hausärztlich tätig sein durfte. An der Wende von 1816 zu 1817 gab er den Heilberuf auf und widmete sich ganz der Dichtung. In wenigen Jahren entstand ein kleines, dichtes Werk. Seine Mitte bilden die großen Oden des Jahres 1819, darunter Ode on a Grecian Urn und Ode to a Nightingale. Sie kreisen um Schönheit, Vergänglichkeit und Tod. Zu Lebzeiten wurde Keats von der Kritik verhöhnt. Sein Grabstein in Rom trägt nach seinem eigenen Wunsch die Worte „Here lies One Whose Name was writ in Water.“


Biografie↑

Geboren wurde John Keats am 31. Oktober 1795 in Moorgate in London; das genaue Geburtshaus ist nicht gesichert. Sein Vater arbeitete im Mietstall des Gasthofs Swan and Hoop, der seinem Schwiegervater John Jennings gehörte, und leitete den Betrieb später. Im April 1804, Keats war acht Jahre alt, starb der Vater nach einem Sturz vom Pferd an einem Schädelbruch. Die Mutter heiratete bald erneut, verließ den zweiten Ehemann aber wieder und zog mit den Kindern zur Großmutter.

Keats besuchte die Schule von John Clarke in Enfield, wo seine Liebe zur Literatur geweckt wurde. 1810 starb die Mutter an Tuberkulose; die Kinder blieben bei der Großmutter. Keats war das älteste von vier überlebenden Kindern; seine jüngeren Geschwister waren George, der später nach Amerika auswanderte, Tom und Fanny. Mit Charles Cowden Clarke, dem Sohn des Schulleiters, verband ihn eine dauerhafte Freundschaft. Clarke vermittelte ihm zusätzliches Wissen und bestärkte seine Neigung zur Literatur. In der Epistle to Charles Cowden Clarke dankte Keats ihm mit der Zeile „you first taught me all the sweets of song“.

Die Großmutter bestellte zwei Vormünder. Im Herbst 1810 kam er bei dem Chirurgen und Apotheker Thomas Hammond in Edmonton in die Lehre. Im Oktober 1815 schrieb er sich als Medizinstudent am Guy's Hospital in London ein; dort erinnert seit 2007 eine Statue an ihn. Neben der Ausbildung wandte er immer mehr Zeit der Literatur zu. Seit Juli 1816 besaß er eine Zulassung als Apotheker, der auch hausärztlich arbeiten durfte.

Die Beschäftigung mit Edmund Spenser, besonders mit The Faerie Queene, wurde zum Wendepunkt seiner dichterischen Entwicklung. Sie veranlasste ihn um 1814 zu seinem ersten überlieferten Gedicht, Imitation of Spenser. Im Mai 1816 druckte der Schriftsteller Leigh Hunt in seiner Zeitschrift The Examiner das Sonett O Solitude, die erste Veröffentlichung von Keats. Im Oktober 1816 lernte Keats Hunt persönlich kennen, und es entstand eine Freundschaft. An der Wende zu 1817 gab Keats die Medizin auf. Im März 1817 erschien sein erster Band Poems. Er fand kaum Beachtung.

1817 arbeitete Keats an dem langen Gedicht Endymion, unter anderem auf der Isle of Wight. Seit April 1817 wohnte er mit seinen Brüdern in Hampstead. Dort pflegten John und George den jüngsten Bruder Tom, der wie die Mutter an Tuberkulose litt. 1818 ging Keats mit seinem Freund Charles Armitage Brown auf Wanderschaft nach Schottland und Irland. Auf der Insel Mull erkrankte er schwer an einer Erkältung. Im August kehrte er zurück und pflegte Tom weiter. Endymion war schon im April 1818 erschienen und wurde von der Kritik verhöhnt. John Gibson Lockhart verspottete das Gedicht im Blackwood's Magazine und rechnete Keats der „Cockney School“ zu. Das abschätzige Etikett galt Leigh Hunt und seinem Kreis, jungen Dichtern, denen man mangelnde Bildung und eine gewöhnliche Sprache vorwarf.

Im Dezember 1818 starb Tom Keats an der Tuberkulose. John zog zu seinem Freund Brown in dessen Hälfte des Doppelhauses Wentworth Place in Hampstead. Im Herbst 1818 hatte er Fanny Brawne kennengelernt und sich in sie verliebt. Im April 1819 zog sie mit ihrer Mutter in die andere Hälfte des Hauses. In dieser Zeit nahm Keats zeitweise das Opiumpräparat Laudanum. Im Frühjahr 1819 entstanden dort Ode to Psyche, Ode to a Nightingale, Ode on a Grecian Urn und Ode on Melancholy. Im September folgte To Autumn.

1820 zeigten sich deutlichere Anzeichen der Krankheit, darunter Bluthusten. Auf Rat seiner Ärzte brach er im September 1820 in das wärmere Italien auf. Percy Bysshe Shelley hatte ihn nach Pisa eingeladen. Keats reiste mit seinem Freund Joseph Severn nach Rom. Dort wohnte er an der Piazza di Spagna. Das Haus wurde später als Keats-Shelley House bekannt. In den ersten Monaten 1821 verschlechterte sich sein Zustand stetig. Keats starb am 23. Februar 1821. Shelley erfuhr erst im April davon und schrieb daraufhin die Totenklage Adonais. Begraben wurde Keats auf dem Protestantischen Friedhof in Rom. Seine letzte Bitte wurde erfüllt: Auf dem Grabstein stehen die Worte „Here lies One Whose Name was writ in Water.“


Literarische Merkmale↑

Kennzeichnend für Keats ist die lyrische Meditation. Die Gedichte des Jahres 1819 zeigen ihn als Meister nachdenklicher, reflektierender Verse, die die überlieferten Regeln der Gattung hinter sich lassen. Thematisch kreisen sie um Schönheit, Vergänglichkeit und Tod.

Der Biograf Nicholas Roe vermutet, dass Keats' Erfahrungen mit Laudanum in seine Dichtung eingingen, etwa in Ode to a Nightingale. Den Anstoß zum eigenen Schreiben gab ihm die Lektüre Edmund Spensers; sein erstes überliefertes Gedicht trug den Titel Imitation of Spenser. Neben den Oden stehen Verserzählungen und Balladen wie The Eve of St. Agnes, La Belle Dame sans Merci und Lamia sowie die beiden Hyperion-Dichtungen. Einen eigenen Rang haben seine Briefe, in denen er über das Dichten nachdachte. Der Begriff der „Negative Capability“ hat eine eigene Forschungsliteratur hervorgebracht.


Rezeption↑

Zu Lebzeiten erfuhr Keats vor allem Spott. Sein erster Band Poems fand kaum Beachtung. Endymion wurde Ziel höhnischer Kritiken; John Gibson Lockhart rechnete Keats im Blackwood's Magazine der „Cockney School“ zu.

Nach seinem Tod wandelte sich das Bild. Brawne hatte seine Liebesbriefe ihren Kindern anvertraut. Als sie 1878 erschienen, reagierte die Presse scharf, vor allem gegen Brawne selbst. Heute gilt Keats als einer der wichtigsten Dichter der englischen Romantik. Seine Gedichte wurden mehrfach ins Deutsche übertragen, unter anderem von Heinz Piontek und von Mirko Bonné; die Briefe übersetzte Christa Schuenke. Die großen Oden haben eine umfangreiche Forschung auf sich gezogen, von Walter Jackson Bates Arbeit über die „Negative Capability“ bis zu den Einzelinterpretationen deutscher Anglisten. Biografien legten unter anderem Amy Lowell, Andrew Motion, Nicholas Roe und Lucasta Miller vor.

Keats wirkt auch außerhalb der Literaturwissenschaft nach. 1976 wurde ein Krater auf dem Merkur nach ihm benannt; auch ein Asteroid trägt seinen Namen. In Dan Simmons' Science-Fiction-Zyklus Hyperion/Endymion spielen Keats' Werke eine zentrale Rolle; dort treten auch künstliche Nachbildungen des Dichters auf. Jane Campions Film Bright Star, auf deutsch Meine Liebe. Ewig, beruht auf Andrew Motions Biografie und erzählt von seinen letzten drei Lebensjahren und seiner Liebe zu Fanny Brawne. Sein römisches Wohnhaus an der Piazza di Spagna ist heute als Keats-Shelley House ein Museum.

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