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Das Lexikon der klassischen Literatur
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Porträt Bai Juyi
Bai Juyi
772 – 846
– Autorenporträt –

Bai Juyi

772 – 846 · 74 Jahre

Dichter der chinesischen Tang-Dynastie, der in schlichter Sprache für das einfache Volk schrieb und mit versteckter Kritik am Hof aneckte – über 2800 seiner Gedichte sind erhalten.

Kurzbiografie↑

Zu den bekanntesten Dichtern der chinesischen Tang-Dynastie zählt Bai Juyi, geboren 772 vermutlich in Xinzheng in der Provinz Henan, gestorben 846 in Luoyang. Er stammte aus einer armen, aber gebildeten Familie und stieg im kaiserlichen Beamtenapparat bis in hohe Ämter auf. Von ihm sind mehr als 2800 Gedichte erhalten, mehr als von jedem anderen Dichter dieser Epoche. Weil er in schlichter Sprache schrieb, war er schon zu Lebzeiten beim einfachen Volk sehr beliebt. Zugleich nutzte er seine Verse als Mahnung: Viele enthalten versteckte Kritik an Missständen seiner Zeit.


Biografie↑

Aufgewachsen ist Bai Juyi in einer Familie, die zwar arm war, aber Wert auf Bildung legte. Er wurde am 28. Februar 772 geboren, wohl in Xinzheng in der Provinz Henan. Nach anderen Angaben kam er in Taiyuan zur Welt, dem Herkunftsort der Familie. Schon in jungen Jahren schrieb er erste Gedichte. Neben seinem Rufnamen führte er den Großjährigkeitsnamen Letian.

Im Jahr 800 bestand er die höchste Beamtenprüfung. Um 803 trat er als Lektor in die Kaiserliche Palastbibliothek ein. In diesen Jahren lernte er den Dichter Yuan Zhen kennen, der einer seiner engsten Freunde wurde. Ab 807 gehörte Bai der Literatenakademie an. Er war dem Buddhismus zugewandt und verstand sein Amt als Auftrag: Er wollte mahnen und warnen. Seine Angriffe richteten sich etwa gegen die Übergriffe der Hofeunuchen und gegen einen zu lange geführten Feldzug an der Grenze. Für die einfache Landbevölkerung setzte er sich ausdrücklich ein. Dazu verfasste er sowohl amtliche Staatsschreiben als auch Gedichte voller Anspielungen, die weite Verbreitung fanden.

Nach dem Tod seiner Mutter legte er sein Amt vorübergehend nieder. Im Jahr 814 wurde er auf einen geringeren Posten versetzt. Seine Kritik brachte ihn schließlich zu Fall: 815 wurde er in die Provinzstadt Jiujiang verbannt. Anlass war eine Eingabe nach der Ermordung des Kanzlers Wu Yuanheng, mit der er seine Befugnisse überschritt. 819 oder 820 holte man ihn an den Hof zurück, wo er wieder wichtige Ämter erhielt. Ab 822 diente Bai als Präfekt in Hangzhou, ab 825 im selben Amt in Suzhou.

Bai Juyi starb im September 846 in Luoyang. Unter westlichen Lesern ist sein Name in zahlreichen Umschriften geläufig, etwa als Po Chü-i oder als Bo Juyi.


Literarische Merkmale↑

Schlichtheit ist das Kennzeichen seiner Dichtung. Bai Juyi schrieb in einer einfachen, unmittelbar verständlichen Sprache, und gerade deshalb wurde er schon zu Lebzeiten beim einfachen Volk sehr beliebt. Seine Bekanntheit reichte über die Grenzen Chinas hinaus.

Der Umfang seines Werkes ist beträchtlich: Mehr als 2800 Gedichte sind erhalten, so viele wie von keinem anderen Dichter der Tang-Dynastie. Am bekanntesten ist jenes über die kaiserliche Konkubine Yang Guifei, die auf der Flucht vor Rebellen vom Gefolge des Kaisers umgebracht wurde.

Viele seiner Gedichte enthalten sozialkritische Anspielungen. Diese verdeckte Kritik trug ihm zahlreiche Feinde ein und kostete ihn zeitweise seine Stellung.


Rezeption↑

Über China hinaus wirkte Bai Juyi vor allem nach Japan. Einige hundert Jahre nach seiner Zeit entstand dort das Nō-Stück Haku Rakuten, benannt nach der sinojapanischen Form seines Namens Bai Letian. Darin weist der japanische Gott der Dichtung den chinesischen Dichter aus Japan zurück.

In China selbst blieb sein Name bis in die Gegenwart gegenwärtig: Der Oriental Pearl Tower in Shanghai geht in seiner Gestalt auf ein Bild aus dem Gedicht Pipa Song zurück.

Ins Deutsche wurde Bai Juyi mehrfach übertragen. Früh übersetzte ihn der österreichische Sinologe Leopold Woitsch. Seine Auswahl erschien 1908 in Peking, der Band Gedichte 1922 in Wien. Eine neuere Sammlung gab Weigui Fang 1999 unter dem Titel Den Kranich fragen mit 155 Gedichten heraus.

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Aus dem Werkverzeichnis↑

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