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Porträt Horaz
Horaz
65 v. Chr. – 8 v. Chr.
– Autorenporträt –

Horaz

65 v. Chr. – 8 v. Chr.

Vom Sohn eines Freigelassenen zum gefeierten Dichter im Kreis des Maecenas – einer der bedeutendsten römischen Dichter der augusteischen Zeit.

Kurzbiografie↑

Quintus Horatius Flaccus, bekannt als Horaz, zählt zu den bedeutendsten römischen Dichtern der augusteischen Zeit. Neben ihm stehen Vergil, Properz, Tibull und Ovid. Geboren wurde er am 8. Dezember 65 v. Chr. im süditalischen Venusia. Gestorben ist er am 27. November 8 v. Chr. in Rom. Aus einfachen Verhältnissen aufgestiegen, fand er Aufnahme im Kreis des einflussreichen Kunstförderers Maecenas. So wurde er vom Sohn eines Freigelassenen zu einem der angesehensten Dichter seiner Epoche. Seine philosophischen Ansichten und seine geflügelten Worte gehörten bis in die Neuzeit zu den bekanntesten des Altertums. Im Humanismus und Klassizismus wurden sie reich aufgenommen.


Biografie↑

Über das Leben des Horaz ist verhältnismäßig viel bekannt. Der Grund liegt vor allem darin, dass er in seinen Gedichten immer wieder von sich selbst erzählte. Diese Selbstaussagen sind die Hauptquelle seiner Lebensgeschichte. Hinzu kommt die spätere Lebensbeschreibung in der Vita Suetons aus dem zweiten Jahrhundert. Geboren wurde er am 8. Dezember 65 v. Chr. in Venusia, einer Stadt an der Grenze der italischen Landschaften Lukanien und Apulien.

Sein Vater, den Horaz als Freigelassenen (libertinus) bezeichnet, arbeitete als Versteigerungsagent (coactor). Er besaß ein kleines Landgut. Wie der Vater in die Sklaverei geraten war, ist nicht sicher bekannt. Vermutlich war er ein Einheimischer, der im Bundesgenossenkrieg (91–88 v. Chr.) in römische Gefangenschaft geriet. Strittig ist auch, ob der Vater wohlhabend war. Horaz selbst schildert dessen Leben als „arm“ (pauper). Damit ist weniger echte Armut gemeint als ein genügsames, selbstständiges Landleben. Genug Geld muss er besessen haben, um seinem Sohn eine literarische und philosophische Ausbildung zu finanzieren. Die Mutter erwähnt Horaz in seinen Gedichten nie.

Schon als Kind zog er mit dem Vater nach Rom. Dort lernte er beim Grammatiker Lucius Orbilius Pupillus, an den er sich später als „schlagfreudig“ erinnerte. Anschließend ging er nach Athen, um griechische Philosophie und Literatur zu studieren. Dort beschäftigte er sich mit altgriechischer Lyrik und lernte an der Akademie. Besonders prägten ihn die Lehren der Epikureer und Stoiker. Im Jahr 44 v. Chr., nach der Ermordung Caesars, warb Marcus Iunius Brutus in Athen römische Studenten für die republikanische Armee an. Horaz schloss sich an und wurde Militärtribun, also einer der höheren Offiziere einer Legion. Im Herbst 42 v. Chr. unterlag das Heer des Brutus in der Schlacht bei Philippi den Truppen Octavians und Mark Antons. Nach einer Amnestie kehrte Horaz nach Italien zurück. Das väterliche Landgut war inzwischen beschlagnahmt worden, wie viele andere zur Ansiedlung von Veteranen. Nach eigener Aussage trieb ihn die Armut zur Dichtkunst.

Materiell stand er dabei keineswegs schlecht da. Um 40 v. Chr. kaufte er sich in das gut bezahlte Amt eines Quästurschreibers ein. Zwischen 40 und 38 v. Chr. wurden die Dichter Vergil und Lucius Varius Rufus auf ihn aufmerksam. Sie stellten ihn dem adligen Gönner und Kunstliebhaber Gaius Maecenas vor. Maecenas wählte Dichter nach ihrem Talent aus, unterstützte sie finanziell und förderte den künstlerischen Austausch in privatem Kreis. Nach neun Monaten Bedenkzeit nahm er Horaz in seinen Dichterkreis auf. Fortan begleitete Horaz seinen Gönner auf Reisen, etwa 37 v. Chr. nach Brindisi. 36 v. Chr. war er vermutlich bei Octavians Seefeldzug gegen Sextus Pompeius dabei. In einem Seesturm vor Kap Palinurus wäre er fast ertrunken. Mitte der 30er Jahre schenkte Maecenas ihm ein Landgut in den Sabiner Bergen, das sogenannte Sabinum. Für Horaz wurde es zum Inbegriff der literarischen und philosophischen Muße (otium). Seine Verachtung für die Hektik der Stadt Rom wuchs zugleich. In der Fabel von der Landmaus und der Stadtmaus stellte er beide Lebensweisen einander gegenüber.

Um 35 v. Chr. erschien sein erstes Satirenbuch, um 30 v. Chr. folgten die Iamben (Epoden) und das zweite Satirenbuch. Schließlich folgten, sieben Jahre nach den Epoden, die drei Bücher der Oden, in denen er griechische Versmaße ins Lateinische übertrug. Um 23 v. Chr. hatte er die Oden abgeschlossen. Danach wandte er sich den Versepisteln zu, deren erstes Buch um 20 v. Chr. erschien. Darin erklärte er, die Dichtung zugunsten der Philosophie aufzugeben. Mit der Zeit ging das Förderverhältnis von Maecenas auf Augustus selbst über. Der Kaiser beauftragte Horaz 17 v. Chr., das Festlied (carmen saeculare) für die ludi saeculares zu schreiben. Den ersten Brief des zweiten Briefbuchs richtete Horaz an Augustus. Die Ars poetica dagegen ist ein Brief an die Pisonen. In welchem Maß er dabei zum politischen Sprachrohr der Herrschenden wurde, bleibt in der Forschung umstritten. Über sein Liebesleben ist wenig Gesichertes bekannt. Er blieb Junggeselle. Sich selbst beschrieb er als dick, wohlgenährt, von kurzer Statur und früh ergraut. Sein Beiname Flaccus bedeutet wohl „Schlappohr“. Im Jahr 8 v. Chr. starb zunächst Maecenas und noch im selben Jahr, am 27. November, auch Horaz. Beide wurden auf dem Esquilin bestattet.


Literarische Merkmale↑

Seine künstlerische Entwicklung lässt sich in drei Stufen gliedern. Die erste ist das temperamentvolle und angriffslustige Frühwerk mit den Satiren und Epoden (42 bis etwa 30 v. Chr.). Die zweite ist die klassische Reife mit den Oden I–III und den ersten Episteln (etwa 31 bis Ende der 20er Jahre). Die dritte ist die Abgeklärtheit des Spätwerks mit dem Carmen saeculare, den Oden IV und den zweiten Episteln. Allerdings überlagern sich die Entstehungszeiten der Werke häufig, sodass die Charakterisierungen nur zur Orientierung dienen.

In den beiden Büchern der Satiren, die Horaz selbst Sermones (Gespräche) nannte, spricht er mit Maecenas, mit dem Leser und mit sich selbst. Sein Ziel war, dem Leser mit Humor unangenehme Wahrheiten zu sagen. Zentrales Thema ist die rechte Lebensgestaltung. Die Gedichte geißeln Laster wie Habgier, Völlerei und zügellose Begierde. Sein Vorbild war der römische Satiriker Lucilius, der hochgestellte Zeitgenossen schonungslos anprangerte. Horaz dagegen, Sohn eines Freigelassenen, musste sich zurückhalten. Er verspottete vor allem typische Figuren und namenlose Personen. Nicht selten stellte er auch sich selbst und seine eigenen Schwächen dar.

Die siebzehn Epoden, um 30 v. Chr. herausgegeben, übernahmen das jambische Versmaß des griechischen Dichters Archilochos. Dieser hatte seine Form für extrem angriffslustige, persönlich verletzende Gedichte genutzt. Im augusteischen Rom war eine solche Dichtung nicht denkbar. Deshalb griff Horaz kaum reale Personen an. Seine persönliche Note war die Selbstironie in den Schmähgedichten und eine häufige Pointiertheit. So lobt er in der zweiten Epode über viele Verse hinweg das sittsame Landleben und löst erst am Ende auf, dass ein Wucherer dieses Lob ausspricht. Über die Epoden entwickelte sich Horaz allmählich zur Lyrik der Oden hin. Dabei nahm er zunehmend Themen wie Wein und Liebe auf, die später auch die Oden prägen.


Rezeption↑

Schon zu Lebzeiten wurde Horaz zum anerkannten Dichter des Staates. Endgültig gesichert war sein Ruf, nachdem Augustus ihn mit dem Festlied für die ludi saeculares betraut hatte. Seine philosophischen Ansichten und seine geflügelten Worte (dicta) gehörten bis in die Neuzeit zu den bekanntesten des Altertums. Im Humanismus und Klassizismus erfuhren sie reiche Aufnahme. Besonders für den englischen Klassizismus war er eines der wichtigsten antiken Vorbilder. Bereits im 2. oder 3. Jahrhundert schrieb Pomponius Porphyrio einen Kommentar zu seinen Werken. Zu seinen bekannten Figuren gehört die Hexe Canidia, die in den Epoden mehrfach auftritt.

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