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Porträt Euripides
Euripides
480 v. Chr. – 406 v. Chr.
– Autorenporträt –

Euripides

480 v. Chr. – 406 v. Chr.

Jüngster der drei großen griechischen Tragödiendichter und der modernste unter ihnen – mit „Medea“ und „Die Bakchen“ bis heute auf den Bühnen der Welt zu Hause.

Kurzbiografie↑

Als jüngster der drei großen griechischen Tragödiendichter steht Euripides neben Aischylos und Sophokles am Beginn der europäischen Theatergeschichte. Er wurde um 480 v. Chr. auf der Insel Salamis geboren. In der Antike wurden ihm etwa 90 Stücke zugeschrieben. Davon sind 19 erhalten, darunter ein Satyrspiel; beim Rhesos wird seine Urheberschaft allerdings oft bezweifelt. Mit Stücken wie Medea, Iphigenie in Aulis, Elektra und Die Bakchen hat er das Theater bis in die Neuzeit stark geprägt. Nach seinem Tod wuchs seine Beliebtheit noch; in hellenistischer Zeit wurde er zu einem Grundpfeiler der literarischen Bildung.


Biografie↑

Über das Leben des Euripides ist nur wenig Gesichertes überliefert. Einige Angaben stammen aus einem Vorwort zu byzantinischen Handschriften seiner Werke. Demnach war er der Sohn des Mnesarchos und der Kleito aus dem attischen Demos Phlya. Während des zweiten Perserkriegs flohen seine Eltern 480 v. Chr. nach Salamis. Dort soll er geboren worden sein. Sein genaues Geburtsjahr ist nicht gesichert.

Einer späten Überlieferung nach zog er sich auf Salamis in eine Höhle zurück und verfasste dort seine Dramen. Eine Höhle an der Südküste der Insel wird heute damit in Verbindung gebracht. Sie wurde von 1994 bis 1997 archäologisch untersucht. Er soll Fackelträger bei den Riten des Apollon Zosterios gewesen sein. Auch soll er Vorträge bei dem Naturphilosophen Anaxagoras sowie den Sophisten Prodikos und Protagoras gehört haben.

Wichtige feste Daten ergeben sich aus seiner Teilnahme an den Tragödienwettbewerben. Diese wurden in Athen anlässlich der Dionysien ausgerichtet, einer städtischen Kultveranstaltung für den Theatergott Dionysos. Zwischen 455 und 408 v. Chr. brachte Euripides bei diesen Wettkämpfen regelmäßig Tetralogien auf die Bühne, also jeweils drei Tragödien und ein eher grotesk angelegtes Satyrspiel. Mit seinem ersten Beitrag, dem verschollenen Stück Die Peliaden, belegte er den dritten Platz. Seinen ersten Sieg errang er 441 v. Chr. Im Jahr 428 v. Chr. siegte er mit dem erhaltenen Der bekränzte Hippolytos. Dieses Stück war wohl eine Neufassung eines früheren, heute verlorenen Hippolytos-Stückes, das beim Publikum offenbar Anstoß erregt hatte. Zu Lebzeiten siegte er insgesamt viermal. Ein weiterer Sieg kam nach seinem Tod hinzu, als unter anderem Die Bakchen und Iphigenie in Aulis aufgeführt wurden.

Euripides war ein Freund des Sokrates. Nach der Überlieferung ging er nach 408 v. Chr. an den Hof des makedonischen Königs Archelaos I. In dessen Hauptstadt Pella soll er 406 v. Chr. gestorben sein. Manche Forscher bezweifeln allerdings, dass er überhaupt je in Makedonien war. Einer Sage nach wurde er von Hunden zerrissen.


Literarische Merkmale↑

Unter den Großmeistern der athenischen Tragödie galt Euripides als der modernste. Sein psychologischer Realismus war beim Publikum überaus wirkungsvoll, brachte ihm aber auch Kritik ein.

Kennzeichnend für sein Werk ist eine ausgeprägte Gesellschafts- und Religionskritik, die ihn Anfeindungen aussetzte. In den Troerinnen kritisiert er offenbar die Machtpolitik Athens. In den Bakchen zeigt er eine urtümliche Seite der griechischen Religion.


Rezeption↑

In der Nähe des Piräus, des Hafens von Athen, erinnerte ein leeres Grabmal an ihn, ein Kenotaph. Seine Stücke blieben beliebt, als die des Aischylos und des Sophokles schon fern und fremd wirkten. In der antiken Bildung wurde er so viel gelesen, dass nur Homer ihn übertraf. Besonders wirkte er auf die Neue Komödie und deren Hauptvertreter Menander. In Rom bearbeitete Seneca seine Stücke für das römische Publikum.

Nicht alle Stimmen waren ihm zugewandt. Der Komödiendichter Aristophanes verspottete ihn als Verfechter neuer, zersetzender Ideen und machte ihn in mindestens drei Stücken zur Bühnenfigur. In seiner Komödie Die Frösche holt der Gott Dionysos aus der Unterwelt Aischylos zurück und nicht Euripides.

In der deutschen Literatur verspottete Johann Wolfgang von Goethe in seiner 1774 gedruckten Farce Götter, Helden und Wieland den Dichter Christoph Martin Wieland. Anlass war Wielands Singspiel Alceste, eine Bearbeitung des Euripides-Stoffes. In der Farce tritt Euripides selbst auf.

In jüngerer Zeit findet vor allem seine Darstellung von Frauen Beachtung. Er zeigt sie und ihre Schwierigkeiten in der griechischen Gesellschaft mit viel Einfühlung, besonders in der Medea von 431 v. Chr. Gedeutet wurde er dennoch sowohl als Frauenfeind wie als Fürsprecher der Frauen.

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