1870 – 1945
Alfred Douglas
Kurzbiografie↑
Lord Alfred Bruce Douglas, 1870 in Worcestershire geboren, war ein britischer Dichter, Übersetzer und Schriftsteller. Bekannt wurde er weniger durch seine Gedichte als durch seine Verbindung zu Oscar Wilde, dessen Freund und Liebhaber er war. Seine Mutter nannte ihn als Kind „Bosie“; der Spitzname blieb ihm sein Leben lang. Douglas veröffentlichte Gedichtbände, vor allem Sonette, dazu Streitschriften und autobiografische Bücher, in denen er immer wieder auf Wilde zurückkam. Sein Gedicht Two Loves wurde 1895 im Prozess gegen Wilde verwendet; die Schlusszeile „the love that dare not speak its name“ galt als Umschreibung der gleichgeschlechtlichen Liebe. Douglas starb 1945.
Biografie↑
Als dritter Sohn von John Douglas, 9. Marquess of Queensberry, und dessen erster Ehefrau Sibyl Montgomery kam Alfred Douglas 1870 in Worcestershire zur Welt. Zur Mutter hatte er ein sehr liebevolles Verhältnis; sie gab ihm den Kosenamen „Bosie“, eine Verniedlichung des englischen „boy“. Das Verhältnis zum Vater, den Zeitgenossen als aggressiv und exzentrisch beschrieben, war angespannt und schwierig.
Von 1884 bis 1888 besuchte Douglas das Winchester College. Zwischen 1889 und 1893 war er Student am Magdalen College der University of Oxford, verließ die Universität aber ohne Abschluss.
1891 lernte Douglas den 16 Jahre älteren Schriftsteller Oscar Wilde kennen. Zunächst war das Verhältnis freundschaftlich. Ein halbes Jahr nach der ersten Begegnung wurde aus der Freundschaft eine Partnerschaft, die bis zu Wildes Verhaftung 1895 dauerte. Nach Douglas' späterer Darstellung endete die sexuelle Beziehung schon nach kurzer Zeit und ging in eine rein gefühlsmäßige Liebesbeziehung über. Douglas führte Wilde in die Londoner Halbwelt der männlichen Prostituierten ein, in der der ältere der beiden Partner bis dahin keine Erfahrung hatte. Zwischen ihnen gab es auch Konflikte, die oft auf die verschiedene Standeszugehörigkeit zurückgingen: Douglas kam aus dem Adel, Wilde aus dem Bürgertum. Besonders die gemeinsame Finanzierung ihres aufwendigen Lebensstils führte zu Streit. 1893 hatte Douglas eine kurze Affäre mit seinem Studienfreund George Cecil Ives.
1895 hinterließ der Vater in Wildes Klub eine an den Schriftsteller gerichtete Visitenkarte mit einer schwer leserlichen Beschimpfung. Er vermutete seit längerem ein „anstößiges“ Verhältnis zwischen Wilde und seinem Sohn. Auf Douglas' Drängen und gegen den Rat anderer Bekannter klagte Wilde den Marquess wegen Verleumdung. Wilde verlor den Prozess und wurde selbst wegen Unzucht verhaftet. Im Verfahren gegen ihn wurde Douglas' Gedicht Two Loves als Beweismittel benutzt. Wilde erhielt zwei Jahre Zuchthaus mit Zwangsarbeit. Auch Douglas' mögliche Vergehen wurden rechtlich geprüft. Die Anklagebehörde verzichtete aber auf ein Verfahren. Sie sah Douglas eher als Opfer Wildes und hielt eine Verurteilung für unwahrscheinlich. Douglas verließ England und lebte einige Jahre in Frankreich und Italien. Nach Wildes Haftentlassung lebten die beiden 1897 einige Monate gemeinsam in Neapel. Danach beendeten sie ihre Beziehung endgültig.
Wilde starb 1900. Danach lernte Douglas die Dichterin Olive Eleanor Custance kennen; 1902 heirateten die beiden und bekamen im selben Jahr den Sohn Raymond. 1911 trat Douglas zum katholischen Glauben über. 1912 erschien Arthur Ransomes Buch Oscar Wilde: A Critical Study, das erstmals öffentlich machte, dass der im Gefängnis geschriebene und erst nach Wildes Tod veröffentlichte Text De Profundis ein Brief an Douglas war. Die darin erhobenen Vorwürfe zeichnen das Bild eines selbstsüchtigen, parasitären Menschen; Wilde selbst wollte den Text zu Lebzeiten nie drucken lassen. In den Jahren danach äußerte sich Douglas oft abfällig über Wilde und bestritt, dass mehr als eine oberflächliche Freundschaft bestanden habe. 1918 nannte er Wilde in einer Zeugenaussage im Rufmordprozess der Tänzerin Maud Allan „die größte Macht des Bösen, die in den letzten 350 Jahren in Europa aufgetaucht ist“. Später bedauerte er dieses Verhalten und erklärte seinen Groll mit dem Brief De Profundis.
1923 wurde Douglas selbst wegen Verleumdung zu sechs Monaten Haft verurteilt. Er hatte behauptet, Winston Churchill habe 1916 einen falschen Bericht über die Skagerrakschlacht verbreitet, damit ein jüdischer Bankier an der Börse verdiente. Sein Sohn Raymond erkrankte psychisch schwer und kam 1927 in das St Andrew's Hospital in Northampton. Er verbrachte dort den größten Teil seines Lebens und starb dort 1964. 1944 starb Douglas' Frau Olive. 1945 starb Douglas selbst in Lancing in West Sussex an Herzversagen. Beigesetzt wurde er neben seiner Mutter auf dem Franziskaner-Friedhof in Crawley in West Sussex.
Literarische Merkmale↑
Dichtung war Douglas' eigentliches Feld, und innerhalb der Dichtung vor allem das Sonett. Schon der Titel seiner Sammlungen zeigt das: Sonnets erschien 1909, eine weitere Sammlung gleichen Namens 1935, dazu 1943 The Sonnets of Lord Alfred Douglas. Seine erste Sammlung Poems kam 1896 heraus, 1899 folgte The City of the Soul, 1924 In Excelsis. Gesamtausgaben seiner Gedichte erschienen 1919 und 1928.
Daneben steht eine heitere, satirische Linie. Verse wie Tails with a Twist von 1898 veröffentlichte er unter dem Decknamen „a Belgian Hare“, und Titel wie The Duke of Berwick (1899), The Placid Pug (1906) und The Pongo Papers and the Duke of Berwick (1907) gehören in dieselbe Richtung.
Sein Prosawerk ist zum guten Teil Streitschrift und Selbstdarstellung. Dazu zählen Oscar Wilde and Myself (1914), The Autobiography of Lord Alfred Douglas (1929, zweite bearbeitete Ausgabe 1931), Without Apology (1938) und Oscar Wilde: A Summing Up (1940). Dass er sich auch für literarische Grundfragen interessierte, zeigen The True History of Shakespeare's Sonnets von 1933 und The Principles of Poetry von 1943. Zur Zeitgeschichte äußerte er sich 1940 in Ireland and the War Against Hitler.
Rezeption↑
Berühmt wurde Douglas nicht als Dichter, sondern als Freund und Liebhaber Oscar Wildes. Dieses Verhältnis bestimmt die Wahrnehmung seiner Person bis heute, und es prägte auch sein eigenes Schreiben: Immer wieder kam er in Büchern und Aussagen auf Wilde zurück.
Eine entscheidende Wende brachte 1912 Arthur Ransomes Buch Oscar Wilde: A Critical Study. Es machte öffentlich, dass der Gefängnistext De Profundis ein Brief an Douglas war. Die Vorwürfe darin zeigen ihn als selbstsüchtigen, schmarotzenden Menschen. Dieses Bild haftete ihm an. Douglas reagierte mit Abwehr. Er stritt eine engere Verbindung zu Wilde ab und sprach abschätzig über ihn. 1918 benutzte er vor Gericht sogar die Formel von der „größten Macht des Bösen“ in Europa seit 350 Jahren. Erst später bedauerte er diese Haltung und nannte den Brief als Ursache seines Grolls.
Fortgewirkt hat vor allem eine einzige Zeile von ihm. Das im Wilde-Prozess verwendete Gedicht Two Loves endet mit „the love that dare not speak its name“. Diese Formel wurde zur gängigen Umschreibung der gleichgeschlechtlichen Liebe, besonders der zwischen Männern.
In den deutschen Normdatenbeständen ist Douglas unter mehreren Namensformen geführt, darunter „Bosie“ und der Deckname „Belgian Hare“. Die Deutsche Biographie verzeichnet ihn mit einem Indexeintrag und verweist bei den Verknüpfungen zu Bekannten und Freunden auf Oscar Wilde.
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