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Porträt Li Bai
Li Bai
701 – 762
– Autorenporträt –

Li Bai

701 – 762 · 61 Jahre

Wandernder Dichter der chinesischen Tang-Zeit, der Wein, Mond und Freundschaft besang und neben Du Fu als einer der bedeutendsten Lyriker Chinas gilt.

Kurzbiografie↑

Li Bai (um 701–762) war ein wandernder Dichter der chinesischen Tang-Zeit. Neben Du Fu gilt er als einer der bedeutendsten lyrischen Dichter Chinas. Vermutlich als Sohn eines wohlhabenden Kaufmanns geboren, durchzog er jahrelang das Land. Für kurze Zeit wirkte er als Hofdichter in der Hauptstadt Chang'an, ehe er wieder ins Wanderleben zurückkehrte. Etwa tausend Gedichte werden ihm zugeschrieben. In ihnen finden Wein und Mond, Freundschaft und Sehnsucht ebenso ihren Platz wie das Erlebnis der Natur. Sein Werk wird häufig mit dem Taoismus in Verbindung gebracht.


Biografie↑

Geboren wurde Li Bai um 701, nach anderen Angaben 702. Er starb 762; Tag und Ursache seines Todes sind nicht sicher überliefert.

Seine Familie lebte wohl vom Handel und war wohlhabend. Sein Geburtsort ist nicht sicher überliefert. Teils wird die Provinz Sichuan genannt, teils Suiye in Mittelasien nahe dem heutigen Tokmok in Kirgisistan. Dorthin sollen seine Vorfahren verbannt worden sein; sie stammten ursprünglich aus dem heutigen Gansu. Li Bai soll auch mindestens eine nichtchinesische Sprache beherrscht haben. Als Li Bai etwa fünf Jahre alt war, zog die Familie nach Jiangyou in der Nähe des heutigen Chengdu in der Provinz Sichuan. Er war konfuzianischen wie daoistischen Einflüssen ausgesetzt. Seine familiäre Herkunft bot ihm jedoch kaum Aufstiegschancen in der Tang-Dynastie. Trotz seines Wunsches, Beamter zu werden, nahm er nicht an den kaiserlichen Beamtenprüfungen teil. Stattdessen begann er mit etwa fünfundzwanzig Jahren, nach Art eines fahrenden Gesellen durch China zu reisen. Dieses Leben kontrastierte stark mit dem Idealbild eines konfuzianischen Edelmanns.

Im Jahr 742 kam er in die Hauptstadt Chang'an. Dort erweckte seine verwegene Art das Interesse des Adels wie der einfachen Leute. Besondere Faszination übte er auf den hohen Beamten und Dichter Hè Zhīzhāng aus. Dieser nannte ihn einen „vom Himmel verbannten Unsterblichen“. Fürsprecher wie der Daoist Wu Yun und Hè Zhīzhāng lenkten die Aufmerksamkeit von Kaiser Xuánzōng auf ihn. Der Kaiser gab dem Dichter eine Stelle an der renommierten Hanlin-Akademie. Der Überlieferung nach lag Li volltrunken in einer Schänke, als der Kaiser ihn rufen ließ, um neue Liedtexte zu bekommen. Man spritzte ihm Wasser ins Gesicht, und er schrieb die Texte aus dem Stegreif. Für den Hof entstanden auch die Liedtexte Qingpingtiao, ein Lobpreis auf die Schönheit der Konkubine Yáng Guìfēi. Gemeinsam mit Hè Zhīzhāng und weiteren trinkfreudigen Gelehrten bildete er einen Kreis. Du Fu nannte diese Männer in einem Gedicht die „acht Unsterblichen des Weins“.

Schon nach knapp zwei Jahren musste Li den Hof wieder verlassen; die Gründe sind nicht sicher bekannt. Vermutet wird eine Intrige des mächtigen Eunuchen Gao Lishi. Er soll der Konkubine Yáng Guìfēi eingeredet haben, Li Bai habe sie in einem Gedicht kränkend mit der früheren Kaiserin Zhao Feiyan verglichen. Fortan streifte Li für den Rest seines Lebens durch China. Im Herbst 744 und noch einmal im Jahr darauf traf er Du Fu, den zweiten berühmten Dichter der Epoche. Die beiden begegneten sich nur zweimal. Dennoch fand ihre Bekanntschaft vor allem in Du Fus Werk erheblichen Niederschlag: Etwa ein Dutzend Gedichte widmete dieser seinem Kollegen, während Li Bai ihm nur ein einziges zueignete.

Ende 755 brach der Aufstand des An Lushan aus. Li Bai trat 756 in den Dienst des Prinzen Yong, eines Kaisersohns, der bald gegen seinen Bruder, den neuen Kaiser, kämpfte. Nach der Niederlage des Prinzen 757 kam Li Bai in Haft und wurde 757 oder 758 nach Yelang verbannt. 759 wurde er begnadigt, noch bevor er dort ankam. Er starb 762 in Dangtu in der Provinz Anhui, im Gebiet des heutigen China. Der Überlieferung nach soll er ertrunken sein, als er in berauschtem Zustand versuchte, das Spiegelbild des Mondes auf einem Fluss zu umarmen. Andere Überlieferungen nennen eine Krankheit, eine Quecksilbervergiftung durch alchemistische Mittel oder übermäßiges Trinken.


Literarische Merkmale↑

Etwa tausend Gedichte werden Li Bai zugeschrieben. Darunter sind einige Rhapsodien (Fu), zahlreiche Lieder nach Vorbild des Musikamts (Yuefu) sowie Gedichte im Alten und Neuen Stil und einige Prosastücke. Bei einigen Werken ist die Urheberschaft allerdings zweifelhaft. Häufig wird sein Werk wegen der ausgedrückten Empfindungen und seines spontanen Tons mit dem Taoismus in Verbindung gebracht. Daneben gibt es auch konventioneller geprägte Stücke. So knüpfen etwa seine 59 Gufeng (Alte Weisen) an die Dichtung der Han- und Wei-Zeit an.

Über sein Genie sind zahlreiche Legenden in Umlauf. So wird berichtet, mit welcher Leichtigkeit er seine Gedichte zu Papier brachte – angeblich mit erstaunlicher Geschwindigkeit und ohne eine einzige Korrektur. Bevorzugt schrieb er Gedichte im freieren Alten Stil. Als Meister gilt er aber auch im Jueju, dem Kurzgedicht aus vier Zeilen zu fünf oder sieben Schriftzeichen. Rund 160 Stück sind davon erhalten. Seine Sprache ist nicht so ausgefeilt wie die Du Fus. Sie beeindruckt aber durch ausgeprägte Vorstellungskraft und die unmittelbare Verbindung, die der Dichter zum Leser herzustellen weiß.

Zu seinen bekanntesten Gedichten gehört Yuè Xià Dú Zhuó, auf Deutsch etwa Gelage im Mondschein. Darin zieht sich der Dichter mit einem Krug Wein zurück und stößt mit seinem Schatten und dem Mond an. Die Verbindung von Wein und Mond kehrt in seinem Werk häufig wieder. Daneben sind Freundschaft und Sehnsucht beständige Themen, ebenso Naturerlebnisse von Bergen, Buchten und Föhrenwäldern sowie die Schönheit der Frauen. Bisweilen setzt er sich aber auch kritisch mit zeitgeschichtlichen Fragen auseinander, etwa mit dem Krieg, der Korruption der Beamtenschaft oder dem harten Leben der einfachen Leute.


Rezeption↑

Schon zu Lebzeiten und in den Jahrzehnten danach hinterließ Li Bai deutliche Spuren. Sein Zeitgenosse Du Fu widmete ihm etwa ein Dutzend Gedichte und hielt die Begegnung der beiden Dichter so für die Nachwelt fest. Eine bekannte bildliche Darstellung Li Bais stammt erst aus weit späterer Zeit: eine Tuschmalerei des Malers Liáng Kǎi, entstanden um 1200. Sie zeigt den Dichter, wie er im Gehen ein Gedicht vorträgt.

Im Westen wurde Li Bai früh bekannt. Französische Übersetzungen erschienen 1862, englische Nachdichtungen von Ezra Pound 1915 in Cathay. Gustav Mahler vertonte in Das Lied von der Erde vier seiner Gedichte nach freien deutschen Fassungen Hans Bethges. So reicht seine Wirkung bis heute weit über China hinaus.

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