Meisterwerke der Worte
MEISTERWERKE DER WORTE
Das Lexikon der klassischen Literatur
MEISTERWERKE DER WORTE
Das Lexikon der klassischen Literatur
Autoreneintrag · Al-Mutanabbi
Eingang · Autoren · Al-Mutanabbi
Porträt Al-Mutanabbi
Al-Mutanabbi
915 – 965
– Autorenporträt –

Al-Mutanabbi

915 – 965

Wandernder Hofdichter des 10. Jahrhunderts, der Fürsten pries, sich selbst am lautesten lobte und die arabische Dichtung nach ihm nachhaltig prägte.

Kurzbiografie↑

Zu den bekanntesten Dichtern der arabischen Literatur zählt Abū t-Tayyib Ahmad ibn al-Husain, genannt al-Mutanabbī. Er lebte im 10. Jahrhundert, zur Zeit der Abbasiden, und stammte aus ärmlichen Verhältnissen in Kufa. Sein Leben verbrachte er als wandernder Dichter, der von Hof zu Hof zog und Fürsten in kunstvollen Versen pries. Er verfasste an die 326 Kassiden; die meisten davon preisen Fürsten oder ihn selbst. Sein Beiname bedeutet „der, der sich als Prophet ausgibt“.


Biografie↑

Geboren wurde al-Mutanabbī im Stadtteil Kinda der Stadt Kufa. Er kam im Jahr 303 der islamischen Zeitrechnung zur Welt, also 915 oder 916. Seine Familie war arm, sein Vater soll Wasserträger gewesen sein. In Kufa wuchs er auf und erhielt dort seine erste Ausbildung, nachdem man seinen wachen Geist bemerkt hatte.

924 fielen die Qarmaten in Kufa ein und plünderten die Stadt. Der Junge verließ Kufa und lebte etwa zwei Jahre bei Beduinen in der syrischen Wüste, vor allem beim Stamm der Banū Kalb. Dort lernte er die Feinheiten der arabischen Sprache. Ob er vor den Qarmaten floh oder sich ihnen anschloss, wird unterschiedlich überliefert. 927 kehrte er nach Kufa zurück und widmete sich nun ganz der Dichtung. Vermutlich kam er damals mit schiitischen und qarmatischen Kreisen in Berührung, die sein pessimistisches Weltbild prägten.

928 ging er nach Bagdad. Danach zog er auf der Suche nach einem Gönner als fahrender Dichter durch Syrien. Um 932 soll er in Latakia einen qarmatischen Aufstand angezettelt und sich dabei als Prophet ausgegeben haben. Nach anderer Darstellung wurde er nur beschuldigt, daran beteiligt gewesen zu sein. Der Aufstand scheiterte, und um 933 kam er in Homs in Haft. Aus dieser Zeit stammt sein Beiname al-Mutanabbī.

Etwa zwei Jahre saß er ein. Nachdem er seine Ansichten widerrufen hatte, kam er 935 frei und nahm in Syrien sein Wanderleben wieder auf. 939 wurde er Lobdichter des Badr ibn ʿAmmār, des Herrn von Damaskus. Nach etwa anderthalb Jahren zerbrach die Verbindung, und al-Mutanabbī musste in die Wüste fliehen. Erst 948 fand er einen neuen Mäzen: den Hamdaniden Saif ad-Daula. Neun Jahre blieb er in Aleppo. Beide begegneten einander mit außerordentlichem Respekt, und der Dichter nahm eine bevorzugte Stellung am Hof ein. Auch diese Verbindung zerbrach an Intrigen und Rivalitäten.

Nach einem kurzen Aufenthalt in Damaskus ging er 957 nach Fustāt, das heute zu Kairo gehört. Dort dichtete er zum Lob des Regenten Kāfūr, den er in Wahrheit verachtete. An dessen Hof kam er wahrscheinlich nur, weil Kāfūr ihm die Statthalterschaft von Sidon in Aussicht gestellt hatte. Als sich diese Hoffnung zerschlug, verließ er den Regenten und suchte vergeblich einen neuen Gönner. In der Nacht zum Opferfest im Januar 962 verließ er Fustāt heimlich. Danach verfasste er bitterböse Satiren auf Kāfūr.

Er wanderte nach Kufa und ging von dort weiter nach Bagdad. In Bagdad lernte er den Wesir und viele Gelehrte kennen, hatte dort aber auch scharfe Kritiker. Danach hielt er sich wieder in Kufa auf. 965 fand er im Buyiden-Wesir Ibn al-ʿAmīd in Arraǧān einen neuen Mäzen. Kurz darauf schloss er sich dem Buyiden Adud ad-Daula in Schiras an, brach aber trotz guter Aufnahme bald wieder auf und machte sich auf den Rückweg in den Irak.

Bei Dair al-ʿAqūl unweit von Bagdad überfielen Bewaffnete ihn und seine Begleiter; als genauer Ort wird auch an-Nuʿmāniyya genannt. Im September 965 starb er dort im Kampf, zusammen mit seinem Sohn. Angeführt wurden die Angreifer von Fātik ibn Abī Dschahl al-Asadī. Er war ein Onkel des Dabba ibn Yazīd al-Asadī, den al-Mutanabbī in einem Schmähgedicht verhöhnt hatte.

Seine Haltung zur Welt war stoisch und pessimistisch. Er sah in ihr einen Ort der Verführung und des Schlechten, in dem die Unvernunft regiere und allein der Tod einen Ausweg biete. Die Araber hielt er den „barbarischen Fremden“ für weit überlegen. Seine eigene Familie soll auf den südarabischen Stamm der Dschuʿfī zurückgehen. Seines Talents war er sich mehr als bewusst und trat entsprechend eingebildet auf. Zugleich wirkt er zwiegespalten: Er strebte nach Reichtum und Macht und lehnte beides zugleich aus tiefstem Herzen ab. Von außergewöhnlicher moralischer Strenge und Geradheit in seinem Handeln ist überliefert. Über ihn kursieren viele Anekdoten, und wie viel daran wahr ist, lässt sich bis heute nicht klären. Manche brachte er womöglich selbst in Umlauf, denn er wollte, dass seine Gedichte im Rahmen solcher Geschichten gehört und gelesen wurden.


Literarische Merkmale↑

In der Endphase der frühabbasidischen Hofdichtung steht al-Mutanabbī neben al-Buhturī und Abū Tammām, in deren Tradition er seine Lobgedichte schrieb. Man rechnet die drei zu den „Neoklassikern“, die sich an den überlieferten Formen der Dichtung orientierten.

Als Höhepunkt seines Schaffens gelten die Gedichte aus der Zeit bei Saif ad-Daula, die sogenannten Sayfiyyāt. Sie feiern vor allem die Feldzüge des Emirs gegen die Byzantiner.

Seine Verse sind inhaltsreich und wirken oft regelrecht episch, auch wenn immer wieder pessimistische Töne durchbrechen. Besonders die Schilderung von Schlachten lag ihm, wobei er stimmungsvolle Bilder und Vergleiche einflocht. Daneben finden sich rassistische Verse gegen Nichtaraber, besonders gegen Kāfūr. Im Selbstlob war er ein Meister. Sein Dīwān, die Sammlung seiner Gedichte, enthält Lobgedichte, Selbstlob, Trauergedichte, Beschreibungen, Satiren und Weisheitsverse.


Rezeption↑

Als Dichter wirkte al-Mutanabbī weit über seine Lebenszeit hinaus: Mit seinen Werken und seinem Umgang mit der arabischen Sprache prägte er die nachfolgende arabische Dichtung nachhaltig. Schon zu Lebzeiten hatte er nicht nur Bewunderer, sondern auch Neider, auf die manche der abschätzigen Geschichten über ihn zurückgehen dürften. Andere Erzählungen lesen sich eher wie eine Verehrung des Poeten.

In Bagdad trägt die Mutanabbi-Straße seinen Namen, bekannt für ihren Büchermarkt.

Mitglieder des YouTube-Kanals erhalten das ganze Lexikon als PDF zum Download – zum Sammeln, Offline-Lesen und Ausdrucken. Mitglied werden →

Aus dem Werkverzeichnis↑

Vollständiges Werkverzeichnis bei Wikipedia (1 weitere Titel)

meisterwerke-der-worte.de · Auszug aus dem Lexikon · Alle Rechte vorbehalten