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Porträt Äsop
Äsop
620 v. Chr. – 564 v. Chr.
– Autorenporträt –

Äsop

620 v. Chr. – 564 v. Chr.

Antiker griechischer Dichter von Fabeln, dessen Name zum Gattungsnamen wurde – die poetische Fabel heißt bis heute äsopische Fabel.

Kurzbiografie↑

Über zweieinhalb Jahrtausende hinweg ist Äsop der Name geblieben, der wie kein anderer mit der Fabel verbunden wird. Der antike griechische Dichter von Fabeln und Gleichnissen lebte wahrscheinlich im 6. Jahrhundert v. Chr. Er gilt jedoch eher als legendäre denn als historische Gestalt. Häufig wird er irrtümlich als Begründer der europäischen Fabeldichtung genannt. Sein Name wurde zum Gattungsnamen. Die poetische Fabel heißt deshalb auch äsopische Fabel.


Biografie↑

Gesicherte Angaben zu Äsops Leben gibt es kaum. Die schriftliche Überlieferung zu seiner Person setzte in der zweiten Hälfte des 5. Jahrhunderts v. Chr. ein. Schon damals waren zahlreiche Legenden über ihn im Umlauf. Der Äsop-Roman wurde in der frühen römischen Kaiserzeit zusammengestellt. Er erzählt ausführlich von Äsops Reisen zu bedeutenden Königen wie Kroisos von Lydien und von seinen körperlichen Gebrechen. So sei er sehr hässlich und zunächst stumm gewesen. Der Roman trägt jedoch klar legendarischen Charakter.

Auch über Äsops Herkunft gehen die Quellen auseinander. Frühe Quellen nennen als Herkunftsort Mesembria in Thrakien, spätere Überlieferungen auch Phrygien, Lydien oder die Insel Samos. Am weitesten verbreitet war in der Antike die Herkunft aus Phrygien.

Die früheste Erwähnung Äsops findet sich bei dem Geschichtsschreiber Herodot. Nach ihm war Äsop ein Verfasser von Fabeln und ein Sklave des Iadmon von Samos, dem auch die Sklavin Rhodopis gehörte. Getötet wurde er in Delphi. Aristophanes erwähnt in der 422 v. Chr. uraufgeführten Komödie Die Wespen, dass Äsop in Delphi wegen des Diebstahls eines sakralen Gegenstands angeklagt wurde. Plutarch berichtet, Äsop sei im Auftrag des Königs Kroisos nach Delphi gekommen und habe die Delphier beleidigt. Daraufhin verurteilten sie ihn unter dem falschen Vorwurf des Tempeldiebstahls zum Tode und stießen ihn von einer Klippe.

Als Todesjahr wird häufig 564 v. Chr. angegeben. Legt man die Angaben Herodots oder des römischen Fabeldichters Phaedrus zugrunde, lebte er dagegen noch bis um 527 oder 526 v. Chr. Ob Äsop tatsächlich auf diese Weise starb oder ob die Geschichte eine Legende ist, ist unbekannt.


Literarische Merkmale↑

Kennzeichnend für die mit Äsops Namen verbundenen Texte ist die Fabel: eine kurze Erzählung mit Gleichnischarakter, die eine Lehre vermittelt. Über die literarische Eigenart Äsops selbst lassen sich angesichts der unsicheren Überlieferung kaum verlässliche Aussagen treffen.


Rezeption↑

Wirkungsmächtig ist vor allem die Vorstellung, die europäische Fabeldichtung gehe auf Äsop zurück. Häufig wird dies behauptet. Fabeln gab es jedoch schon vor ihm.

Auch im Mittelalter waren Äsops Fabeln verbreitet, etwa in französischen Bearbeitungen, den sogenannten Isopets. Nach der Erfindung des Buchdrucks erschien eine Vielzahl von Ausgaben. Besonders erfolgreich war, nicht zuletzt wegen seiner Holzschnitte, der 1476 in Ulm gedruckte Aesop Heinrich Steinhöwels. Dieser sogenannte Ulmer Aesop enthielt über 190 Holzschnittillustrationen. Steinhöwel ließ dem lateinischen Text eine von ihm gefertigte deutsche Übersetzung folgen.

1530 bearbeitete Martin Luther während seines Aufenthalts auf der Veste Coburg Fabeln Äsops in deutscher Sprache. Die kleine Sammlung blieb unvollendet.

Im 17. Jahrhundert belebte Jean de La Fontaine (1621–1695) die Fabeln Äsops neu; viele seiner Fabeln greifen Themen Äsops auf. Bis heute leben Äsops Fabeln in gebräuchlichen Redewendungen fort.

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