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Autoreneintrag · Mir ʿAli Schir Nawāʾi
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Porträt Mir ʿAli Schir Nawāʾi
Mir ʿAli Schir Nawāʾi
1441 – 1501
– Autorenporträt –

Mir ʿAli Schir Nawāʾi

1441 – 1501 · 59 Jahre

Dichter, Staatsmann und Bauherr am Timuridenhof in Herat, der das Tschagataische als Dichtersprache förderte und gegen die Vorherrschaft des Persischen verteidigte.

Kurzbiografie↑

Am Hof der Timuriden in Herat wirkte im 15. Jahrhundert ein Mann, der zugleich Dichter, Staatsbeamter, Bauherr und Mystiker war: Mir ʿAli Schir Nawāʾi, geboren 1441, gestorben 1501 in derselben Stadt. Unter dem Dichternamen Nawāʾī schrieb er auf Tschagataisch, seiner Muttersprache, unter dem Namen Fānī auf Persisch. Er gilt als einer der bedeutendsten Dichter des Tschagataischen. Zugleich ließ er in Chorasan Hunderte von Schulen, Moscheen und Bibliotheken errichten oder wiederherstellen. In Usbekistan gilt er bis heute als Nationaldichter.


Biografie↑

Geboren wurde ʿAli Schir am 9. Februar 1441 in Herat, der Hauptstadt des Timuridenreichs. Sein eigentlicher Name lautete Nizām od-Din ʿAli Schir. Die Familie war angesehen und gebildet; sie gehörte zu den turksprachigen Kanzleischreibern. Nach einer Überlieferung stammte sie von uigurischen Schreibern ab, was in der Forschung umstritten ist. Sein Vater, Ghiyās od-Din Kitschkina, bekleidete ein hohes Staatsamt. Kindheit und Jugend verbrachte der Sohn abwechselnd in Herat, Maschhad und Samarkand.

1469 übernahm sein Schulfreund Husayn Bāyqarā die Macht in Herat. Nawāʾi verließ daraufhin Samarkand und trat in dessen Dienst. Am Hof in Herat bekleidete er verschiedene Ämter und wurde 1472 Emir des obersten Rates.

In dieser Stellung zeigte sich vor allem sein Talent als Bauherr und Stadtplaner. In Chorasan soll er etwa 370 Bauten gegründet, wiederhergestellt oder gestiftet haben: Moscheen, Schulen, Bibliotheken, Krankenhäuser, Karawansereien und Wohltätigkeitshäuser. Zu den bekanntesten zählen der Ichlāsiyya-Komplex in Herat und das Mausoleum für den persischen Dichter Fariduddin Attar in Nischapur. Herat erlebte in jenen Jahren eine besondere Blüte. Der Orientalist René Grousset nannte die Stadt später „das Florenz der timuridischen Renaissance“.

Neben den Amtsgeschäften wandte sich Nawāʾi in Herat zunehmend der Malerei, der Musik und der Dichtkunst zu. Er trat dem Sufi-Orden der Naqschbandi bei und wurde Schüler und Freund des persischen Mystikers Dschami. Über ihn schrieb er 1494, nach Dschamis Tod, Chamsat al-mutaḥayyirīn, „Das Quintett der Erstaunten“. Er förderte zahlreiche Gelehrte und Künstler, darunter die Geschichtsschreiber Mirchwand und Chwāndamir sowie den Musiker Scheich Nāʾī. Auch den Maler Behzād soll er entdeckt und gefördert haben. Nawāʾi war zudem selbst Musiker und Komponist.

Auf Persisch schrieb er unter dem Künstlernamen Fānī, „der Vergängliche“. Verehrt wird er bis heute jedoch besonders für seine Gedichte auf Tschagataisch. Diese Sprache war seine Muttersprache; er selbst kannte sie noch schlicht als „Türkisch“. Als angesehener Dichter und Staatsmann befasste er sich systematisch mit ihr. Zu ihrer Verteidigung schrieb er 1499 Muḥākamat al-luġatayn, den „Vergleich zweier Sprachen“. Darin stellt er seine Muttersprache der damals herrschenden Kultur- und Literatursprache Persisch gegenüber und versucht ihre Überlegenheit nachzuweisen. Die tschagataische Dichtung gab es schon vor ihm, etwa bei Luṭfī. Um anderen turksprachigen Dichtern zu helfen, schrieb er 1490 Mīzān al-auzān, „Das Maß der Versmaße“, über die Verslehre im Persischen und im Türkischen. In seiner Zeit wurde das Tschagataische zu einer angesehenen Literatursprache.

Gestorben ist ʿAli Schir am 3. Januar 1501 in seiner Geburtsstadt Herat, wo er auch begraben wurde.


Literarische Merkmale↑

Zwei Sprachen prägen sein Werk. Auf Persisch dichtete er unter dem Namen Fānī. Auf Tschagataisch, seiner Muttersprache, entstand jener Teil des Werks, für den er bis heute geschätzt wird. Sein Umgang mit dieser Sprache war zugleich dichterisch und lehrhaft: In Mīzān al-auzān erklärte er turksprachigen Dichtern die Verslehre. In Muḥākamat al-luġatayn tritt er als Anwalt seiner Sprache auf. Mit dem Reichtum und der Genauigkeit ihres Wortschatzes begründet er, warum sie dem Persischen überlegen sei. Neben Dichtung und Sprachlehre standen Malerei und Musik; überliefert ist auch eine Tätigkeit als Komponist und Musiker.


Rezeption↑

In Usbekistan gilt Nawāʾi bis heute als Nationaldichter; Provinz und Stadt Navoiy sind nach ihm benannt. Unter den turksprachigen Völkern Zentralasiens gehört er zu den beliebtesten Dichtern. Der Historiker Bernard Lewis nannte ihn den „Chaucer der Türken“. Auch zu Lebzeiten war sein Ansehen groß. Großen Einfluss hatte er auf spätere Dichter, etwa auf Babur, den Gründer des Mogulreichs, und auf den aserbaidschanischen Dichter Fuzûlî.

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